Carice van Houten ist bekannt als Melisandre aus Game of Thrones, Foto: Tobias Schad

RingCon-Abschied mit lachendem Auge: Carice van Houton entdeckt Mittelerde

 

Gastautor: Laura Müller

Das darf doch nicht wahr sein! Die Erlebnisdichte auf der RingCon ist einfach so hoch und jetzt war es doch schon Sonntag und es blieb nur noch ein Tag.

Der begann für uns aber sehr früh, mussten wir doch um 8 Uhr im großen Saal auf der Matte stehen, um unseren Chorauftritt einmal auf der Bühne abzustimmen. Im Anschluss folgte direkt die Probe und dann erwischte ich Finn Jones doch noch bei seiner Autogrammstunde. In meinem Kopf pochte der Gedanke, dass es die letzte RingCon war. Finn Jones war jetzt schon zum vierten Mal in Folge da und irgendwie hatte man das Gefühl, ihn dadurch für alle Ewigkeit alljährlich zu treffen. Puff – das war jetzt hiermit vorbei und deswegen musste dieses Autogramm noch her.

Das erste Panel des Tages war mit Carice van Houten, die Melisandre in Game of Thrones spielt. Letztendlich wurde es eines der witzigsten Panels des Wochenendes.
Alles fing damit an, dass ein Aragorn-Cosplayer namens Martin sich ziemlich oft angestellt hat, um Fragen zu stellen. Mark Ferguson, der als Master of Ceremonies das Panel moderierte, nahm dies zum Anlass Martin auf sein Cosplay anzusprechen. Carice wollte auch etwas dazu sagen, schaffte es aber nicht den Namen Aragorn richtig auszusprechen. Ich versuche das Gespräch mal zu rekonstruieren:

Carice: „Aragron? Ararrgon?? Ararar…. However, I know him from the Lord of The Rings ping pong game in New Zealand!“
Mark: „Wait. You know Aragorn from a ping pong game?“
Carice: „Well, I have seen the films, too. And I liked them. It’s all about that small guy who has to throw a ring into a mountain. And he got a little house, it’s like (sie versucht den Hügel mit den Händen darzustellen) … teletubby…“
Mark: „And you cannot remember Aragorn?“
Carice: „No?“
Mark: „How can that be? … Where you stoned?“
Carice: „Hey, you have to remember, I’m from Amsterdam. And actually, I only went to New Zealand because of the films…. But I do remember the creepy guy … you know… the creepy one.“
Mark: „Yeah, he is saying “precious, precious” all the time.“
Carice: „Is this his name?“
Mark nur am Lachen: „No, it’s not his name.“
Carice: „…. and I saw the guy with the starve and the big hat in the elevator today!“
Mark: „You mean Gandalf.“
Carice: „YES, yes, Gandalf… wait… isn’t he in Harry Potter?“

Der Saal befand sich mittlerweile in Schieflage vor Lachen. Eigentlich ziemlich gemein sie so wegen ihrer Unwissenheit auszulachen, aber es war einfach zum Schießen. Auch Mark konnte nicht von dem Thema ablassen – und wie der ganze Saal weiß, hat Mark in Der Herr der Ringe Gil-Galad gespielt. Gil-Galad war der letzte hohe König der Elben, mit welchem auch Elrond in den Krieg des Letzten Bündnisses gegen Sauron zog. Leider hat diese Szene es nicht in die endgültige Fassung des Filmes geschafft. Wir wussten das – Carice nicht.
Mark fragte Carice also, ob sie denn den „Boss der Elben“ kennen würde. Carice dachte sofort an Hugo Weaving, der Elrond spielte. Mark unterbrach sie mit einer Rede darüber, wie unwichtig Elrond für die ganze Geschichte sei, da er ja nur Befehle ausführen würde. Er wäre quasi nur ein Sekretär von dem wirklich wichtigen Typen. Als Mark kein Ende in seinen Herablassungen zu finden schien, rief jemand aus dem Publikum: „Gil-Galad! He means Gil-Galad!“ Carice konnte mit dem Namen natürlich nichts anfangen. Mark erklärte ihr, dass Gil-Galad derjenige ist, der Sauron besiegt hat. „Is this a city?“, fragte Carice ganz leise und Mark fragte ganz entsetzt, ob sie sich wirklich sicher sei, die Filme gesehen zu haben. Alle lachten. Auch Carice konnte jetzt nicht mehr an sich halten. In diesem Moment zeigte die Technik wohl auf dem kleinen Screen für die Schauspieler ein Bild von Gil-Galad, den Carice aber immer noch nicht erkannte. Daraufhin reagierte Mark gespielt erzürnt: „I AM GIL-GALAD!!!!“ Carice rutschte halb von ihrem Stuhl: „You played him? Oh, I didn’t know that. I’m sorry. How embarrassing.“

Das Panel ging schließlich weiter im Text. Bis jemand fragte, was Carice denn so mögen würde, wenn sie schon keine Fantasyfilme mag. Carice antwortete, dass sie eher an Musik interessiert sei als an Filmen. Mark fragte ganz begeistert, ob sie denn vielleicht Musik aus Herr der Ringe kennen würde. „Yeah, sure. Ring… ring… ring of fire?“ Alle lachen wieder. Natürlich, Ring of Fire von Johnny Cash wurde für den Film Herr der Ringe geschrieben. Mark hatte es mittlerweile aufgegeben, Carice zu verbessern. Carice sagte dann allerdings, dass sie die Filme jetzt sehr gerne nochmal anschauen würde und zu Mark darauf zuckersüß: „Just to see you!!“ Der Saal lag am Boden. Mark lies das Thema dann allerdings resigniert fallen.

Outlander Panel

Nach Carice kam dann das zweite Outlander Panel des Wochenendes. Die Stunde war gefüllt mit Liedern. Gary Lewis sang für uns eine Strophe vom Outlander Theme und brachte uns dann noch ein gälisches Lied bei, das beim Arbeiten gesungen wird. Das war allerdings etwas erfolglos, weil niemand ein Wort gälisch sprechen kann. Unser Gesang war eher ein verunsichertes Murmeln.

Nachdem Sam Heughan am Samstag in seinem Panel schon mit seiner Nachahmung von Graham McTavish für Lacher gesorgt hatte, wurden nun auch die anderen dazu aufgefordert. Graham scheint einen unbändigen Bedarf an Koffein zu haben, da sich alle Nachahmungen um „Where is my latte??“ „Why is there no coffee on the set?“ drehte. Als später dann die Frage gestellt wurde, welche Charakterzüge sie mit ihrer Figur in Outlander gemeinsam haben, sah man Sam nur möglichst unauffällig in seine Hand lachen, als Graham antwortete. Der meinte nämlich, dass er manchmal ein bisschen ungeduldig sei.

Natürlich ging es in dem Panel auch viel um Schottland. Zunächst sprachen sich alle für eine Unabhängigkeit Schottlands aus, über die im letzten Jahr in einem Referendum abgestimmt wurde (mit einer knappen Mehrheit gegen die Unabhängigkeit). Dann äußerte Gary sogar die Vermutung, dass die schottische Regierung an der verspäteten Ausstrahlung von Outlander in Schottland Schuld sei. Die Serie hätte zu viel Einfluss auf die Wähler haben und das Referendum beeinflussen können. Er hoffe aber, dass die Schotten weiter für ihre Unabhängigkeit kämpfen würden.

Hier kann ich euch auch eine kleine Liste mit Empfehlungen präsentieren, wohin man laut den Outlander-Stars in Schottland reisen sollte:

  • Lewisian Complex (älteste Felsen der Welt und Gary meinte, das würde man auch spüren, wenn man da ist)
  • Inseln und Strände
  • Einfach den nächsten Munro suchen und hoch, die Aussicht wäre immer schön. (Munro ist die Bezeichnung für schottische Berge, gesprochen wie Monroe)

Ein weiteres Highlight war die Frage eines zehnjährigen Mädchens namens Nicky. Sie will Schauspielerin werden und möchte wissen, wie sie sich dafür am besten vorbereitet und ob man dafür wirklich so viel lernen muss, wie ihre Mutter sagt. Die Schauspieler nahmen sich viel Zeit, ihr zu antworten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man alles in sich aufsaugen soll, was man finden kann. Viel lesen, ins Theater gehen, gutes Fernsehen schauen. Erfolg habe allerdings viel mit Glück zu tun und dessen solle man sich bewusst sein. Allerdings meinten alle, dass es nicht darum gehe, wie viele Menschen sich deine Performance ansehen. Hauptsache man habe eine Verbindung zum Publikum und könne ihnen die Geschichte näher bringen

Zum Ende des Panels wollten uns die fünf Outlander-Stars noch eine Freude machen. Gary stand auf und sagte in seinem wunderbaren schottischen Akzent:

„RingCon, this is a gathering. And at a gathering there is something we say with respect, compassion and all our love: We are outlanders, we are at RingCon together so…“ und alle zusammen: „Tùlach Àrd!“ Der Schlachtruf des McKenzie-Clans!

Game of Thrones Panel

Direkt im Anschluss kam das Game of Thrones Panel. (Versteht ihr jetzt, wieso man auf der RingCon einfach vergisst zu essen? Dieses Panel musste ich für 5 Minuten verlassen, um auf Toilette zu gehen, das war schon viel zu lange!) Finn Jones (Loras Tyrell), Gemma Whelan (Yara/Asha Greyjoy), Ian Beattie (Ser Meryn Trant), Amrita Acharia (Irri) und Jack Gleeson (Joffrey Baratheon).

Die Fünf wirkten schon super gut gelaunt, als sie auf die Bühne kamen. Gleich nach der ersten Frage beschlossen sie auch schon, 2016 auf „The Game of Thrones Cast – Walking Theatre“ – Tour zu gehen und Schwanensee aufzuführen. „Aren’t we entertaining?“, fragte Ian Beattie. Natürlich sind sie das. Ihre lockere und selbstironische Art machte das Panel äußerst unterhaltsam. Zum Beispiel wurde gefragt, was passieren würde, wenn sich Joffrey und Ramsay begegneten. Jack war davon überzeugt, dass Joffrey nicht lange überleben würde, da er ein sehr schlechter Kämpfer wäre. Ian sprang ein, dass er Ramsay natürlich umbringen würde, bevor Joffrey etwas passieren könne. Finn stimmte Jack zu: „Ramsay would definitely kick Joffreys ass.“ Gemma intervenierte dagegen: „Why do you guys always immediately think of fighting? Ramsay and Joffrey would sit down, talk it out and make friends.“

Gemma war sowieso das Highlight dieses Panels. Als Lieblingssuperhelden nannte sie Bananaman, den aber niemand außer ihr kannte. Nicht mal einer ihrer Kollegen. Dank Google bekamen wir dann sogar ein Bild von Bananaman zu sehen. Bananaman ist eine britische Comicfigur, die einen kleinen Jungen darstellt, der zum Superhelden wird wenn er Bananen isst. Also, wenn euch mal langweilig ist, wisst ihr was ihr bei YouTube suchen könnt.

In Erinnerung blieb mir außerdem, wie unglaublich beiläufig Jack über den Eisernen Thron gesprochen hat. Es wurde gefragt, wer schon darauf gesessen habe und ob er wirklich so unbequem sei. Ian meinte, er habe nur daneben gestanden und sei immer näher heran gerückt, bis er schließlich einmal daran gelehnt habe (er ist ein Game of Thrones Fanboy durch und durch). Jack sagte dazu: „Yes, I sat on it… Very long indeed… The whole day… It was okay.“

Auch erläuterte Finn Jones (wie letztes Jahr) seine Abneigung gegen Daenerys Targaryen. Sie sehe sich selbst als Gutmensch, der die Welt retten und das Volk glücklich machen will – dabei erobere sie aber nur einen Ort nach dem Anderen und zwinge den Bewohnern ihre eigene Kultur auf. Er würde an ihrer Stelle, dem Volk zuhören und auf ihre Wünsche eingehen anstatt das Land einzunehmen. Letztendlich sei Daenerys nichts anderes als ein Diktator, auch wenn sie das Herz am rechten Fleck habe. Außerdem gehe sie schlecht mit ihren Drachen um!

Genial fand ich auch die letzte Frage des Panels, wobei die Antworten leider recht knapp ausfielen: „What would you say to your teenage-self if you could?“
Finn prustete los und sagte „Don’t do it.“ und während die anderen mit „Start earlier.“ und „Don’t waste time.“ antworteten, brabbelte er weiter „Don’t do it. Just don’t.“
Jack meinte, dass er erst seit vier Jahren aus dem Teenageralter raus wäre und deswegen wäre seine Antwort wohl immer noch: “You’re cool, man!”

Closing

Das war das Ende des letzten Panels und wir sammelten uns alle zusammen zur Closing. Das große Highlight war für mich natürlich mit meinem selbstgemachten Vertrag von Bilbo Beutlin den 1. Platz bei der ArtShow gewonnen zu haben und der Auftritt mit dem RingChoir. Die Aufnahme könnt ihr euch sogar hier anhören. Dabei enthielt das dritte Stück eine Überraschung: Sehr schön begannen wir mit dem Shire-Thema und dann begab sich ein in blaues Plastik gehüllter, mit CD Rohlingen beklebter Elb auf die Bühne, der die Aufmerksamkeit auf sich zog. Aldir von Lidlien – Haldirs vernachlässigter Hartz4-Bruder. Gespielt genervt brachen wir das Lied ab. „RingChoir in the house, are you ready to partyyyy?!??!?!?!“ Die Menge bebte. Der Chor warf seine Ordner weg, holte die Parybrillen und Knicklichter raus. Alle – außer wir! Der Alt1. Denn wir waren anscheinend die Einzigen, die noch Wert auf die hohen Künste legten. Pah. Da trällerten die neben uns doch tatsächlich das Fellowship Thema und UTZTEN als wären wir hier in der Disco und nicht bei einem hoch anspruchsvollen Auftritt. SHAME sag ich dazu nur. Doch der Alt1 behielt Contenance und konnte diesen Auftritt mit den Zeilen „They’re taking the Hobbits to Isengard“ noch ein bisschen Würde verleihen. Dem Publikum hat es gefallen und wir bekamen tosenden Applaus und standing ovations. Ja, was wäre nur ohne den Alt1 gewesen? Tz, tz, tz.

Die Closing nahm ihren Lauf und zum Schluss kamen traditionsgemäß nochmal alle Gäste auf die Bühne. Chase Coleman ließ es sich nicht nehmen, einen Flickflack aufzuführen, woraufhin Gemma ein Rad schlug. Finn wälzte sich dann einfach nur noch auf die Bühne und teilte uns mit, dass die RingCon seit vier Jahren eines seiner Jahreshighlights war. Auch er sei traurig, dass es vorbei ist. Jack, der fälschlicherweise als Carice angekündigt wurde, schlug vor, dass wir einfach einen großen E-Mailverteiler machen und uns nächstes Jahr bei ihm in Dublin treffen können „to do the whole thing there.“

Nach der Closing ließen wir unseren Gefühlen noch freien Lauf. Der Gedanke, dass es ja noch die HobbitCon geben wird, beruhigte mich persönlich aber weitestgehend. Trotzdem war es sehr schön an diesem Abend noch ganz viel Zeit mit neuen und alten Freunden verbringen zu können. Wir rasteten nochmal komplett auf der Tanzfläche aus, denn nochmals liefen alle RingCon Hits. Schließlich waren wir bereit, dieses Hotel wieder für ein halbes Jahr zu verlassen. Ein Wunder, wollten wir uns zwei-drei Stunden vorher doch noch an die Bar anketten! Ein perfektes Wochenende. Wunderbare Menschen, die verstehen, wenn man ein Filmzitat mit ins Gespräch einbaut. Insider, running gags, gute Musik, Tanzen als würde niemand zusehen und viele Momente, die mir immer im Gedächtnis bleiben werden. So wunderbar, dass selbst die Tatsache, dass wir am Hostel vor verschlossener Tür standen, meine Stimmung nicht trüben konnte. Und wie wir jetzt wissen, werden wir nicht ganz im Regen stehen gelassen: 2017 wird es eine Art FantasyCon geben und ich kann es gar nicht abwarten. Wir sehen uns aber vorher zur HobbitCon, Freunde!

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