Bad Ass. Smart Ass. Great Ass. – Eine Deadpool Filmkritik.

Wade Wilson, gespielt von Ryan Reynolds, ist Deadpool, der Söldner mit der großen Klappe. Ein knallharter Kerl, der sich von niemandem etwas gefallen lässt. Dann verliebt sich der Ex-Elitesoldat in die wunderschöne Prostituirte Vanessa (Morena Baccarin), die Wade mit ihrem vorlauten Mundwerk in nichts nachsteht. Die beiden ergänzen sich perfekt und alles scheint in bester Ordnung zu sein, bis Wade eine folgenschwere Diagnose erhält. Unheilbarer Krebs im Endstadium. In seiner Verzweiflung lässt er sich auf das Angebot eines mysteriösen Unbekannten ein, der ihm Heilung verspricht. Natürlich kommt alles anders als gedacht. Wade liefert sich dem Wissenschaftler Ajax (Ed Skrein) aus, der Wades Körper durch brutale, unmenschliche Experimente und Foltermethoden dazu bringen will, zu mutieren. Dies gelingt ihm schließlich und Wade ist fortan mit übermenschlichen Selbstheilungskräften ausgestattet, die es ihm erlauben sich von jeder Verletzung zu erholen. Auch die Krebszellen in seinem Körper werden dadurch eliminiert. Einzig seine Haut bleibt grässlich vernarbt und will nicht gänzlich heilen. Schließlich gelingt Wade die Flucht aus Ajax Labor, doch derart entstellt will er sich seiner Vanessa nicht zeigen. Stattdessen hüllt er sich von nun an in ein schwarz-rotes Ganzkörperkondom, gibt sich den Namen Deadpool und jagt dem Bösewicht hinterher um ihn zur Rechenschaft zu ziehen und ihn zu zwingen sein Gesicht wieder herzustellen. Dabei stehen ihm zwei X-Men zur Seite: der gutmütige Metalmann Colossus (Stefan Kapicic) und die stets genervt-uninteressiert wirkende Negasonic Teenage Warhead (NIE werde ich mir diesen Namen merken können … ), gespielt von Brianna Hildebrand.

Ich muss zugeben, dass ich selbst ein wenig (sehr) skeptisch war, als Schönling Ryan Reynolds erneut als Deadpool gecastet wurde. Nicht falsch verstehen, ich mag den Kerl eigentlich ganz gerne, nur hat er mich als Green Lantern überhaupt nicht überzeugt und auch seinen Gastauftritt als Deadpool in X-Men Origins: Wolverine hatte ich nicht als überragend in Erinnerung. Nach den ersten Trailern habe ich mich für diese Einschätzung dann fast geschämt. Reynolds hat mich (und hoffentlich auch viele andere) eines Besseren belehrt. Immerhin ist sein Anzug dieses Mal weder grün noch animiert.

Wie Deadpool selbst in den Trailern schon betont hat, ist dieser Film kein typischer Superheldenfilm, wie wir ihn sonst von den Marvel Studios gewohnt sind. Und Deadpool ist weiß Gott kein typischer Superheld. Seine Sprüche, von denen er einen nach dem anderen abfeuert, reichen von pubertär und plump bis hin zu bitterböse und zynisch. Deadpool nimmt kein Blatt vor den Mund und sein derber, oft fragwürdiger Humor ist sicher nicht jedermanns Sache. Außerdem unterscheidet er sich besonders darin von anderen Figuren des Marvel Universums, dass er sich sowohl im Film als auch in den Comics oft direkt an den Zuschauer bzw. Leser wendet um das Geschehen zu kommentieren.
Hinter Deadpools hartem Auftreten und den coolen Sprüchen steckt jedoch wie so oft auch ein weicher Kern. Diese menschliche und manchmal sogar verletzlich wirkende Seite bleibt den Meisten jedoch verborgen. Nur in Zusammenhang mit Vanessa wird sie wirklich deutlich. Deadpool mag sich selbst nicht als Helden sehen, eher als Anti-Helden, doch er hat das Herz am rechten Fleck. Diese Kombination aus harter Schale und weichem Kern, gepaart mit seinem unverwechselbarem Humor ist es, die Deadpool zu einem meiner absoluten Lieblinge im Marvel Universum macht. Okay, und meine Schwäche für tragische Hintergrundgeschichten. Seine Comics sind in meinen Augen mit Abstand die unterhaltsamsten und abwechslungsreichsten und diese Verfilmung wird ihnen absolut gerecht!

In Deutschland hat Deadpool eine FSK-16-Freigabe erhalten und das ist auch gut so! Nicht nur aufgrund seiner Sprüche – dieser Film ist auch blutiger, brutaler und offenherziger als die anderen Marvelverfilmungen. Die Kampfszenen wirken direkter als beispielsweise bei den Avengers oder den X-Man Filmen. Wenn Deadpool loslegt, dann spritzt das Blut in alle Richtungen und fließt in Strömen. Kopfschüsse, abgetrennte Gliedmaßen, heiße Sexszenen oder Wade, der von Ajax gefoltert wird – da wurde nichts zensiert. Zum Glück, möchte man sagen, denn sonst wäre Deadpool irgendwie nicht Deadpool.

Deadpool ist eine überaus gelungene Comicverfilmung mit extrem hohem Unterhaltungsfaktor – vorausgesetzt man ist nicht zu zart besaitet und steht auf Wades schrägen, derben Humor. In meinen Augen ist Deadpool die bisher beste filmische Umsetzung eines Marvelcomics. Viele behaupten, Deadpool wäre der beste Marvelfilm überhaupt, aber da fällt es mir schwer mich festzulegen. Deadpool ist einfach anders. Die Macher des Films nehmen sich genau wie ihr Titelheld nicht zu ernst, bereits im Vorspann wird Regisseur Tim Miller lediglich als „überbezahlter Honk auf nem Drehstuhl“ bezeichnet. Der Film ist gespickt mit Anspielungen auf diverse andere Comics oder Filme wie Green Lantern, Spider-Man, Matrix oder A Nightmare on Elm Street. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich alle Easter Eggs und Referenzen erkannt habe, aber aufgrund dieser kleinen Details macht Deadpool einfach noch mehr Spaß und man entdeckt sicher auch nach mehrmaligem Gucken immer noch etwas Neues. Auf jeden Fall bin ich froh, dass der liebe Wade durch diesen Film ein wenig mehr ins Rampenlicht gerückt wird und die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Inmitten all dieser nahezu perfekten Superhelden ist Deadpool wirklich eine mehr als willkommene Abwechslung!

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