Planet der Affen – Alt gegen neu

Am gesamten Zyklus des Planet der Affen scheiden sich die Geister. Während die einen den ursprünglichen Film von 1968 mit Charlton Heston in der Hauptrolle für den besten Film aller Zeiten halten, verdrehen die anderen die Augen ob dieses Stusses. Auf jeden Fall ist die Geschichte nicht tot zu kriegen, was Regisseur Rupert Wyatt 2011 mit „Planet der Affen – Prevolution“ eindrucksvoll bewiesen hat. Sein Neustart der Reihe ist einfach nur bombastisch und voller Anspielungen an das nicht minder grandiose Original. Tim Burtons Versuch von 2001 werdet ihr hier nicht finden, der fällt hinten rüber.

Die Geschichte basiert nur lose auf dem Roman des Franzosen Pierre Boulle. Wie, Roman? Ja, der Film basiert auf einer sogar sehr erfolgreichen Buchvorlage. Freunde, wer es nicht weiß, auch „Der Weiße Hai“ entstand nach einem hervorragenden Roman. Jedenfalls veröffentlichte Boulle das Buch „Der Planet der Affen“ (Originaltitel: La Planète des singes) bereits 1963. Serviert wird eine dramatische Science-Fiction-Geschichte, gespickt mit wissenschaftlichen Thesen und einer gesellschaftskritischen Message, die den Leser am Ende sogar ein bisschen verzweifelt zurück lässt. Das Buch erklärt die Herrschaft der Affen wie folgt: Die Menschheit hielt sich Affen als Haustiere, bis diese sich schließlich auflehnten und die Menschheit versklavte. In einem der Filme aus den 1960er und 70er Jahren heißt es, eine rätselhafte Krankheit habe im 21. Jahrhundert zur Ausrottung von Hunden und Katzen geführt, weshalb der Mensch den Affen erst zum Haus- und später zum Arbeitstier machte.

Der Blockbuster

Im 2011er Blockbuster „Planet der Affen – Prevolution“ befinden wir uns mit der Handlung in der Gegenwart, beziehungsweise nur ein paar Jahre in der Zukunft. Der Wissenschaftler Will Rodman (James Franco) überwacht für einen Pharmakonzern in San Francisco die Entwicklung eines Medikaments gegen Demenz und Alzheimer. Weil sein Vater Charles (John Lithgow) selbst krank ist, sind Will Erfolge ein persönliches Anliegen. Die Schimpansin Bright Eyes weist nach Gabe des experimentellen Präparats ALZ112 um ein Vielfaches gesteigerte Intelligenz auf. Zu ihrem Namen kam sie, weil ihre Augen nach der Medikamentengabe einen goldenen Ring aufweisen. Als Will die Ergebnisse seiner Studie der Konzernspitze präsentieren will, dreht Bright Eyes durch und greift die Menschen an. Ein Security-Mann muss sie erschießen. Was niemand weiß: das Tier war trächtig, als es gefangen wurde. Sie wollte nur ihr Junges schützen, das sie kurz vor der Präsentation entbunden hat. Will bleibt keine Wahl, als den kleinen Schimpansen, der ebenfalls die strahlenden Augen seiner Mutter hat, mit nach Hause zu nehmen. Er und sein Vater taufen den Kleinen auf den Namen Caesar.

Es stellt sich heraus, dass Caesar (gebt Andy Serkis verdammt nochmal endlich einen Oscar!!!!) eine wahre Intelligenzbestie ist. Er ist richtiggehend menschlich. Und genau das bringt ihn in Schwierigkeiten und leitet den Niedergang der Menschheit ein. Wie im Seuchenthriller „Outbreak“ überträgt er aufgrund des ALZ112 einen für die meisten Menschen tödlichen Virus, in der Fortsetzung „Planet der Affen – Revolution“ Affengrippe genannt, ohne jedoch selbst zu erkranken. Patient Null ist ein Kollege von Will, der mit dem neuen, gasförmigen Medikament ALZ113 in Berührung kommt. Als dessen Leiche bloß ein paar Tage später gefunden wird, hat er bereits den Nachbarn der Rodmans, einen Piloten mit Aggressionsbewältigungsproblemen, infiziert. Als dieser auf den dementen Charles losgeht, greift Caesar ein und beißt dem Mann fast den Finger ab.

Nach diesem Vorfall muss der Schimpanse in eine Auffangstation für Primaten überstellt werden. Dort geht es ihm zusehends schlechter. Der…, naja…, nennen wir ihn mal Tierpfleger Dodge Landon (Tom Felton, aka Draco Malfoy aus Harry Potter), ist ein sadistisches Arschloch, das die Tiere quält. Caesar fasst den Entschluss, die Affen zu befreien. Er findet einen Weg, ungesehen sein Gefängnis zu verlassen, läuft nach Hause und stiehlt zwei Plomben des ALZ113. Diese zündet er im Affenknast, wodurch alle Tiere über Nacht hochgradig intelligent werden. Die Szene, in der Caesar bei allen die Augen nach dem Goldschimmer kontrolliert, verursacht Gänsehaut!

Als Dodge versucht, Caesar zurück in seinen Käfig zu sperren, schreit Caesar ihm ein tiefes, kehliges „Nein!“ entgegen. Der Schimpanse kann sprechen! Die Affen fliehen aus der Anlage, befreien ihre Artgenossen aus einem Zoo und dringen schließlich in den Pharmakonzern ein. Es ist der Beginn eines jahrelangen Krieges Affe gegen Mensch. Auf der Golden Gate Bridge kommt es zum Showdown, die Affen siegen und ziehen sich in das Muir Woods National Monument zurück. Will will Caesar zurückholen, doch der sagt ihm, sein Zuhause seien von nun an die Wälder.

Eine letzte Einstellung zeigt, wie der mittlerweile ebenfalls erkrankte Pilot zum Dienst antritt und sich seinetwegen das Virus in der ganzen Welt ausbreiten kann…

Die alte Filmreihe

Der größte Unterschied zum Charlton-Heston-Film ist die Zeitprämisse. Entsprechend der Vorlage startet eine Gruppe Astronauten zu einem Erkundungsflug ins All. Aufgrund der Zeitdilatation, die entsteht, weil sie mit annähernder Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind, vergehen auf der Erde 2000 Jahre, während die Reise selbst nur gut eineinhalb dauert. Der vermeintlich fremde Planet entpuppt sich als Erde. Allerdings sind die Menschen hilflose Wesen, die von intelligenten Affen dominiert werden. Und hier beginnen die Verbeugungen in Wyatts Film. Charlton Heston als George Taylor, wird von der Wissenschaftlerin Dr. Zira Blankauge (Bright Eyes im Original) genannt, weil er einen viel klareren Blick hat als die anderen Menschen.

Caesar war in den ursprünglichen Filmen der Sohn von Dr. Zira und Dr. Cornelius. Er war der erste Affe, der die menschliche Sprache beherrschte und die Affen im Kampf gegen die Unterdrücker anführte.

Der Zirkus-Orang-Utan, mit dem sich Caesar im Affengefängnis anfreundet und via planetderaffenZeichensprache kommuniziert, stellt sich ihm als Maurice vor. Im 1968er Original spielte der britische Schauspieler Maurice Evans den Wissenschaftler Dr. Zaius, ebenfalls ein Orang-Utan.

Auch Caesars Gefährtin in „Revolution“ ist eine Verbeugung vor dem Original. Ihr Name ist Cornelia, der Schimpanse Dr. Cornelius verhilft Taylor 1968 zur Flucht.

In seinem Zimmer in San Francisco spielt der junge Caesar mit einer Figur der Freiheitsstatue. Im Original-Film stößt Taylor gegen Ende auf die Überreste der Freiheitsstatue und erkennt daran, dass er sich die ganze Zeit auf der Erde befunden hat.

Der Name Dodge Landon, der Tierpfleger, ist eine Hommage an die beiden Astronauten Dodge und Landon, mit denen George Taylor 1968 auf dem Planeten der Affen gestrandet ist.

In einer Szene im Tierheim winkt Caesar mit zwei Fingern dem zweiten Tierpfleger an seinen Käfig, um ihn festzuhalten und unauffällig sein Messer zu stehlen. Im Original benutzt Taylor dieselbe Geste, um Dr. Zira einen Schreibblock mit Stift zu entwenden.

Während die Fortsetzungen des Heston-Films nach und nach immer alberner wurden und die Story mehr schlecht als recht auszuschlachten versuchten, halten die Filme von Wyatt und Reeves (inszeniert gerade einen dritten Teil) nicht nur die Spannung, sie zeigen weiterhin die Zerrissenheit Caesars. Ein Mensch hat ihn gerettet und geliebt. Aber es waren die Menschen, die für das Leid seiner Familie verantwortlich sind. Genauso leidvoll muss er lernen, dass seine Artgenossen ihn ebenfalls betrügen und hintergehen. Beide Spezies, die zu 98,7 % genetisch identisch sind, können einfach keinen Weg zu einer friedlichen Koexistenz finden, weil nur eine handvoll auf jeder Seite nicht zum Frieden bereit ist.

Beide Filme haben die Aussage gemein, dass der Mensch Schuld ist am eigenen Niedergang.

Man darf also gespannt sein, was Matt Reeves im Juli 2017 serviert. Dann soll „War of the Planet of the Apes“ veröffentlicht werden. Ob er auch den Weg geht und die Menschheit versklavt?

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