(K)ein Sportlerkind in Erfurt – Tommy und Werner Krappweis zu Besuch zur Herbstlese

Am 21.10.2016 besuchten Tommy und Werner Krappweis die Erfurter Herbstlese. Im Gepäck hatten die beiden ihre autobiografischen Bücher „Das Vorzelt zur Hölle – Wie ich die Familienurlaube meiner Kindheit überlebte“ und die Fortsetzung „Sportlerkind – Meine Jugend mit Seitenstechen“.

Der Abend begann so lustig, wie man es von Tommy kennt. Er stellte seinem Vater die Frage, was für ein Buch er denn gerade in Händen halte. Werner sah Tommy nur verständnislos an und meinte in seinem bayrischen Akzent, dass das halt ein blaues Buch mit gelbem Schriftzug sei. Das war nicht gerade die Antwort, die Tommy erwartet hatte und so wurde bereits am Anfang deutlich, dass Vater und Sohn des öfteren mal aneinander vorbei reden.

Besagtes Buch war natürlich das „Vorzelt“, aus welchem Tommy ein paar Geschichten zum besten gab (inklusive Foto- und Videomaterial). Er begann mit dem Kapitel „Kann Wasser urig sein?“, in dem er schildert, wie ihn seinen Vater überredetete mit seiner neuen Taucherausrüstung, die viel Geld gekostet hatte, im Meer schwimmen zu gehen. Böser Fehler. Beim ersten Mal floh der kleine, blonde, damals vierjährige Tommy schreiend aus dem Wasser, weil ihn eine Feuerqualle gestochen hatte; beim zweiten Mal – ja, er hatte sich wieder dazu verleiten lassen – machte er schmerzhafte Bekanntschaft mit dem giftigen Diademseeigel. Im Hintergrund wurde ein Bild eingeblendet auf dem der kleine Tommy am „Strand“ steht (dieser bestand aus großen, spitzen, ungemütlichen Steinen), die Taucherausrüstung in der Hand und unschlüssig, ob er sich nun ins Wasser wagen soll oder nicht. Werner war der Meinung dass Tommy so glücklich ausgesehen habe, doch Tommy stritt das mit einem ungläubigen Schnauben ab.

Zum Abschluss des Kapitels sprach Werner Tommy nochmal auf den Arzt an, der Tommy  damals behandelt hatte, und Tommy erzählte uns, dass dieser Arzt eigentlich ein Tierarzt war. Das habe er später von seiner Mutter erfahren.

Werner erzählte anschließend von seinem letzten Urlaub, der noch nicht lange zurück lag. Dort hatte er scheinbar eine Autopanne und entschloss sich, den Wohnwagen einfach selbst mithilfe seiner Schulter anzuheben. Werner schien ziemlich stolz, als er berichtete, wie er sich bei dieser Aktion zwei Rippen gebrochen hatte. Sein Sohn beglückwünschte ihn nur kopfschüttelnd, das habe schließlich noch keiner geschafft.

Dann schwenkte Tommy zu „Sportlerkind“ um. Er las einführend das verheißungsvolle Kapitel „Die Erkenntnis“, in dem er eine wichtige Lektion fürs Leben lernte: Bei den Bundesjugendspielen feuerte ihn sein Sportlehrer Herr Haffke beim Ausdauerlauf an, immer schneller und noch schneller zu rennen. Irgendwann reichte es Tommy jedoch, er fiel auf die Knie und blieb sitzen. Es war einfach viel zu heiß und er am Ende. Sein Sportlehrer rief ihm dann allen Ernstes zu: ,,Aber Tommy! So gewinnst du doch nicht!“ Dieser Satz habe ihn bis heute geprägt und er habe schon mit dem Gedanken gespielt, seinem Sportlehrer eine Dankeskarte zu schicken. Außerdem habe er an diesem Tag gelernt, dass es manchmal mehr Mut erfordert, etwas NICHT zu tun, denn natürlich wurde Tommy nach dem Aufgeben mit dem Spott seiner Mitschüler konfrontiert. Im Anschluss an dieses Kapitel hatte Tommy auch wieder eine lustige Anekdote zu erzählen: Er habe sich mal bei einem Stunt für „RTL Samstag Nacht“ die Knie geprellt und diese alte Verletzung würde auch heute noch ab und an weh tun, wenn er die Knie zu stark belastet. Heute sei er aber ganz froh darüber, eine Ausrede fürs „nicht-rennen-müssen“ zu haben.

Ziemlich stolz auf die sportlichen Erfolge seines Vaters erzählte Tommy dann, dass Werner während seiner Karriere als Radsportler dreißig Mal bayrischer Meister und zwei Mal Deutscher Meister geworden ist. Um uns seine Leidenschaft für den Radsport etwas näher zu bringen, las Werner aus dem Kapitel „Ein Königreich für einen Reifen“ vor. Es ging um ein haarsträubendes „Seniorenrennen“ – ja, man ist mit 35 im Radsport schon ein Senior – welches er fast verloren hätte, weil er während des Rennens einen Platten hatte. Ihm wurde von einem netten Mann am Straßenrand geholfen, der ihm sein sehr großes und breites Vorderrad lieh. Er gewann das Rennen und übergab dem Retter in der Not seine Goldmedallie. Eine tolle Geste, die den Herrn zu Tränen rührte. Nach der Siegerehrung fuhr er mit dem Rad zur Unterkunft, den goldenen Siegerkranz stolz um den Hals tragend und den Pokal im Gepäck, und begegnete einem älteren Ehepaar. Der Mann sagte lachend: „Ich sag‘s ja: Sport ist Mord! Der Mann hat schon seinen Kranz dabei.“ Seine Frau deutete auf den halb sichtbaren Pokal und bemerkte lachend: „Ja und seine Urne auch.“

Das Publikum und Werner lachten gemeinsam Tränen.

Wenn es einen Menschen gibt, den man mit Bällen so richtig jagen kann, dann ist das Tommy. Er hat einen regelrechten Hass auf alles ballförmige, was wahrscheinlich daher rührt, dass er beim Fußballspiel immer ins Tor verbannt wurde und sich selbst als schlechtesten Torhüter aller Zeiten bezeichnet. Um seiner Abneigung zum Ballsport nochmal Nachdruck zu verleihen las er den Text eines Fußball-Hass-Liedes vor, welches er für Bernd das Brot geschrieben hatte. Dieses Lied geriet aber derart bösartig, dass es kaum gesendet wurde. Auch auf YouTube findet man es nicht lange, denn komischerweise verschwindet der Clip immer wieder. Tommy vermutet, dass er immer wieder von der Redaktionsleitung gelöscht wird. Fußballfans eben.

Stanting Ovations vom Publikum

Die Lesung endete mit einem hysterische Eltern imitierenden Tommy. Die Geschichte dazu ist unschlagbar gut: Der achtjährige Tommy musste im Judo immer wieder Fallübungen machen, und irgendwann ging im das Ganze dann doch sehr auf den Keks. Da fragte er den Trainer, wie lang er das denn noch machen müsse. „Wenn du diese Betontreppe dort runterfallen kannst ohne dir weh zutun, dann musst du keine Fallschule mehr machen.“ Erwachsene verstehen, dass das ironisch gemeint war und der Herr Judolehrer eigentlich sagen wollte, dass man natürlich IMMER Fallübungen machen müsse. Was die Kinder jedoch darunter verstanden ist: „Wenn du diese Betontreppe dort runterfallen kannst ohne dir weh zutun, dann musst du keine Fallschule mehr machen.“ Also fingen sie an, genau das nach jeder Trainingsstunde zu üben. Als sie die Aufgabe nach vielen blauen Flecken endlich gemeistert hatte, wollten die das Ergebnis natürlich stolz ihren Eltern vorführen. Diese waren natürlich mehr als nur entsetzt als sich eine Gruppe Achtjähriger plötzlich kopfüber eine Treppe hinunter warf. Auf die Frage hin, warum in aller Welt sie das denn gemacht hätten, verwiesen die Kinder nur unschuldig auf den Trainer. Der habe ihnen diese Aufgabe ja immerhin gestellt. Tja, Fallübungen musste in Zukunft trotzdem noch gemacht werden, allerdings unter Aufsicht eines neuen Trainers.

Nach sehr lustigen 1 ½ Stunden wurden Vater und Sohn vom Publikum zu Recht mit Standing Ovations verabschiedet. Kommt gern noch mal wieder, Tommy und Werner, es war echt toll euch zuzuhören und ich habe stellenweise wieder Tränen gelacht!

 

 

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