Das Finale von Uncharted oder Wie auch ich zum Gamer wurde

In meiner gesamten Kindheit habe ich nie eine Spielkonsole besessen. Nicht einmal einen Gameboy. Okay, da war vielleicht mal ein Tamagotchi, aber selbst da bin ich mir heute nicht mehr sicher. Hat mir auch alles nicht gefehlt. Ich war sehr zufrieden mit meinen Büchern (und Computerspielen).
Trotzdem haben mich Videospiele schon immer fasziniert. War ich bei Freunden zu Besuch die eine PlayStation oder ähnliches besaßen, wollte ich immer spielen und war kaum vom Bildschirm wegzukriegen. Zelda, Super Mario, Tomb Raider – ich war für alles zu haben. Ich hatte natürlich keine Ahnung was ich da eigentlich tue und mein Umgang mit dem Controller kann als stümperhaft bezeichnet werden. Besonders bei Autorennspielen lenkte ich weniger mit dem Controller als mit dem ganzen Körper. Zum Glück kam dabei aber niemand zu Schaden. Meistens. Meine Unfähigkeit führte allerdings dazu, dass ich häufig einfach nur Zuschauer blieb. Aber selbst das fand ich wahnsinnig spannend.

Schließlich zog es mich zum Studieren in die weite Welt hinaus und ich zog mit dem Besitzer nicht nur einer, sondern mehrerer Spielkonsolen zusammen. Plötzlich hatte ich täglichen Zugang zu Spielkonsolen und die Chance ein wenig zu üben. Trotzdem blieb ich häufig noch Zuschauer, nutzte aber jede Gelegenheit mit (un)qualifizierten Kommentaren zu glänzen.

Und dann kam Uncharted. Oder vielmehr Uncharted 1 – 3. Alle drei Teile auf einen Schlag und da konnte selbst ich nicht anders als endlich mal zum Controller zu greifen und diesen dann für Wochen nicht mehr aus der Hand zu legen.

Uncharted Through the Ages

 

Die Uncharted-Reihe aus dem Hause Naughty Dog dreht sich um Nathan Drake, einen Schatzsucher und Nachfahren von Sir Francis Drake, dem englischen Freibeuter und Entdecker. Mit dabei sind für gewöhnlich Victor „Sully“ Sullivan, ebenfalls Schatzsucher und Nathans Freund und Mentor, und die Journalistin Elena Fisher.

Im ersten Teil, Uncharted: Drake’s Fortune aus dem Jahr 2007, birgt Nate mit Elenas Hilfe den Sarg Sir Francis Drakes und findet darin ein Tagebuch mit Hinweisen auf El Dorado. Gemeinsam mit Sully machen sie sich auf die Suche nach der goldenen Stadt und stoßen dabei natürlich auf einige Schwierigkeiten. Der Spieler schlüpft dabei natürlich in Nathans Rolle, den man sich aus der Third-Person-Perspektive einen Weg durch tiefen Dschungel, beeindruckende Ruinenstädte, finstere Höhlen und Katakomben und weite Flussgebiete bahnen lässt. Dabei gilt es etliche Kletterpartien zu meistern und natürlich kommt es auch häufiger zu Auseinandersetzungen mit gegnerischen Parteien, während denen zwischen einer einhändigen und einer zweihändigen Schusswaffe, sowie verschiedenen Nahkampftechniken gewechselt werden kann. Unterwegs hat man außerdem die Gelegenheit nach kleinen, verborgenen Schätzen zu suchen und somit Bonusinhalte freizuschalten.
Das Spiel erhielt fast ausschließlich positive Kritiken und wurde mehrfach ausgezeichnet.

2009 kam der Nachfolger, Uncharted 2: Among Thieves, auf den Markt und wurde sogar noch besser angenommen. Diesmal befindet sich Nate auf Marco Polos Spuren und sucht nach dem mysthischen verborgenen Königreich Shambala. Begleitet wird er dabei erneut von Sully und Elena und einigen anderen alten Freunden. Am Spielprinzip hatte sich im Vergleich zum Vorgänger nicht viel geändert, allerdings verfügt Uncharted 2 auch über einen Multiplayer-Modus, in welchem entweder zwei Teams in verschiedenen Missionen gegeneinander antreten, oder drei Spieler gemeinsam gegen einen KI-Gegner.

Ende 2011 erschien dann das dritte Spiel der Reihe: Uncharted 3: Drake’s Deception. Nate und Sully wollen Francis Drakes Ring, Nates kostbares Erbstück, zu Geld machen, werden dabei jedoch übers Ohr gehauen. Eine alte Bekannte von Sully stiehlt ein Duplikat des Ringes, da sie sich mit dessen Hilfe erhofft, die verlorene Stadt Iram zu finden. Da können Nate und Sully natürlich nicht widerstehen und machen sich an die Verfolgung.
Auch der dritte Teil der Reihe verfügt über einen Mehrspieler-Modus, und auch an der Spielmechanik hat sich bis auf Kleinigkeiten nichts verändert. Aber wie heißt es so schön: Never change a running system.

Nathan Drakes größtes Abenteuer

 

Nach dem dritten Teil der Reihe lies Nathan Drake für längere Zeit nichts mehr von sich hören, doch im Mai 2016 erschien endlich der vierte und letzte Teil der Uncharted-Reihe, Uncharted 4 – A Thief’s End. Leider gab es in meinem jetzigen Haushalt keine Spielkonsole, wobei hier die Betonung definitiv auf gab liegt. Ja, es hat ein wenig gedauert, aber endlich, ENDLICH, habe auch ich mir eine PlayStation 4 zugelegt. Und das, wenn ich ehrlich bin, größtenteils Dank Nathan Drake.
Ihr könnt euch nicht vorstellen wie aufgeregt ich war, als ich das Spiel endlich in Händen hielt! Und ich wurde nicht enttäuscht.

Das Spiel startet sehr rasant mit einer Verfolgungsjagd auf dem Ozean. Nate und ein uns bisher unbekannter Verbündeter halten während eines schlimmen Sturms auf eine kleine Inselgruppe zu und werden dabei immer wieder von Motorbooten und deren Insassen attackiert. Die Sequenz endet mit einem unausweichlichen Zusammenstoß mit einem größeren Schiff und wir müssen hilflos mit ansehen, wie Nate im Meer versinkt. Was hat das alles zu bedeuten?

Dann ein Szenenwechsel. Im ersten Kapitel des Spiels muss sich der junge Nate, der hier nicht älter als 12 sein kann, aus seinem Waisenhaus schleichen, um zusammen mit seinem großen Bruder Sam zu einem scheinbar verlassenen Grundstück zu fahren. Die Sequenz dient vor allem dazu, sich mit der Spielmechanik vertraut zu machen, aber ich fand es auch sehr spannend, etwas mehr über Nates Kindheit zu erfahren. Und seinen Bruder. Wurde Sam in den ersten drei Spielen jemals erwähnt? Und wo in aller Welt war der Typ die ganze Zeit?

Des Rätsels Lösung folgt im nächsten Kapitel des Spiels. Nate ist deutlich älter und dennoch wird deutlich, dass diese Szene sich einige Zeit vor Beginn des ersten Uncharted-Teils abspielt. Wir scheinen uns in einem Gefängnis in Panama zu befinden, in dem nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Schnell wird klar, dass Nate, Sam und ein weiterer Mitstreiter namens Rafe Adler sich freiwillig dort befinden, weil sie sich dort einen Hinweis auf den verlorenen Schatz des Piraten Henry Avery erhoffen. Mithilfe des korrupten Wärters Vargas wird Nate auch fündig, enthält diesem jedoch die gefundenen Informationen vor. Natürlich bekommt Vargas davon Wind und es kommt zu einer Auseinandersetzung. Die drei sehen sich gezwungen aus dem Gefängnis zu fliehen, wobei Sam von einem der Wärter erschossen wird. Armer Nate.

Wieder machen wir einen Zeitsprung. 15 Jahre später hat Nate sich nach seinen zahlreichen Abenteuern zur Ruhe gesetzt. Er ist mit Elena verheiratet und arbeitet als Taucher in einem Bergungstrupp. Er scheint mit seinem Leben zufrieden zu sein, wenn auch ein wenig gelangweilt. Eines Morgens jedoch taucht aus heiterem Himmel der totgeglaubte Sam auf! Er sagt, er hätte all die Jahre im Gefängnis in Panama gegessen und sei nun endlich mithilfe des Drogenbosses Hector Alcazar entkommen. Dem schulde er jetzt allerdings eine ganze Menge Geld, weswegen er dringend Nates Hilfe bräuchte um endlich Averys Schatz zu finden. Das lässt sich der völlig überrumpelte Nate nicht zwei mal sagen, und mit Sullys Hilfe machen die Brüder sich daran, die Suche die vor vielen Jahren begann endlich zu Ende zu bringen.

Henry Avery war allerdings ein sehr cleverer und vorsichtiger Zeitgenosse und die Reise geht gefühlt einmal um die ganze Welt. Es kam häufiger vor, dass ich vor dem Bildschirm saß und dachte: JETZT!! Jetzt haben wir ihn endlich!! – und es wartete doch nur eine Sackgasse oder ein weiterer Hinweis. Natürlich ist Nate wieder größtenteils kletternd und rennend unterwegs, doch es gibt auch einige Passagen, in denen ein Boot oder ein Auto gesteuert werden muss. Vielleicht ging das ja nur mir so (als altem Autorennen-Fan, haha), aber besonders die Auto-Passagen haben es ganz schön in sich. Ich denke da besonders an eine sehr schweißtreibende Verfolgungsjagd, die einfach kein Ende zu finden schien. Da hat man kaum Zeit, die wirklich wunderschönen Landschaften zu bewundern, welche die Spielentwickler gezaubert haben. Die Grafik des Spiels hat mich wirklich mehr als nur einmal in Staunen versetzt.

Alles in allem war Uncharted: 4 für mich noch abwechslungsreicher, spannender und unvorhersehbarer als die Vorgänger. Es war spannend, in mehr als nur einem Kapitel etwas über Nathans und Sams Vergangenheit zu erfahren und was sie zu dem gemacht hat, was sie sind. Nach einigen sehr unerwarteten Plot Twists und einem feurigen Finale findet Uncharted 4: A Thief’s End wirklich einen schönen und würdigen Abschluss für diese tolle Serie. Ich kann das Spiel allen Abenteurern unter euch nur wärmstens empfehlen, ich habe jede Sekunde genossen. Danke Nate, du wirst mir fehlen!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.