Confession Time: Ja, ich bin Teen Wolf Fan

Leute, heute ist er gekommen, der Tag der Wahrheit. Ihr habt sie doch sicher auch, diese eine Serie, die ihr schon seit Jahren verfolgt, wovon aber nur eure besten Freunde wissen? Diese eine Serie, die euch immer schon ein kleines bisschen peinlich war? Für mich jedenfalls gibt es diese Serie. Teen Wolf. Und ja, ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für all eure guilty-pleasure-Lieblingsserien! Ihr müsst euch derer bestimmt nicht schämen.

Ok, vielleicht ein kleines bisschen.

Teen Wolf ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die sich wohl am besten dem Genre Urban Fantasy zuordnen lässt. Die Serie dreht sich um Scott McCall und seinen besten Freund Stiles Stilinski. Die beiden sind zu Beginn der Serie die Außenseiter der Beacon Hills High School und kämpfen sich dort mehr schlecht als recht durch den Schulalltag. Ihr Leben ändert sich allerdings schlagartig, als Scott bei einem nächtlichen Ausflug von einem Wolf gebissen wird. Nach dieser Begegnung beginnt er merkwürdige Symptome zu zeigen und Fähigkeiten zu entwickeln, derer er anfangs kaum Herr zu werden scheint. Scott ist sich sicher, dass er von einem Werwolf gebissen wurde und überzeugt schließlich auch Stiles davon. Dieser bleibt stets an seiner Seite, eignet sich alles an, was es über Werwölfe zu wissen gibt und versucht, seinem besten Freund eine größtmögliche Hilfe zu sein.

Das ist leichter gesagt als getan, denn Stiles ist ein ziemlicher Tollpatsch und Chaot, wahnsinnig neugierig und vorlaut und manchmal doch cleverer als es ihm gut tut. Trotzdem ist es seine unverwechselbare, sarkastische Art, die man gleich zu Beginn der Serie ins Herz schließt. Eine weitaus größere Hilfe (zumindest wenn es um die Grundlagen des Werwolfdaseins geht) ist sicher Derek Hale, der als Werwolf geboren wurde und seine Kräfte völlig unter Kontrolle hat. Dereks Familie, abgesehen von ihm und zwei seiner Schwestern, kam bei einem Feuer ums Leben, das von Werwolfjägern gelegt wurde. Nachdem nun seine Schwester Laura von einem Alpha-Wolf, dem Anführer eines Rudels, umgebracht wurde, ist er in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um dem auf den Grund zu gehen. Derek wird zu einer Art Mentor für Scott, doch die Beiden sind nur selten der gleichen Meinung. 

Generell sind es in meinen Augen die vielfältigen, liebenswerten Charaktere, die der Serie ihren Charme geben und die auch mich dazu gebracht haben, die Serie weiter zu verfolgen. Erst vor kurzem wurde das Mid-Season Finale der sechsten und letzten Staffel ausgestrahlt, und wenn ich heute zu den ersten Folgen der Serie zurückblicke ist es erstaunlich, was für eine Entwicklung der Großteil der Charaktere durchgemacht hat. Das ist wirklich die Art von character development, die ich mir für viele meiner Lieblingsserien gewünscht hätte!

Der kleine, schüchterne Scott ist zu einem besonnenen, selbstsicheren jungen Mann geworden, der als Anführer seines kleinen Rudels nicht davor zurückschreckt, alles für seine Freunde zu tun. Auch Stiles ist erwachsen geworden (okay, erwachsener) und um einiges ruhiger und selbstsicherer als zu Beginn der Serie. Häufig ist er es, der schlussendlich die finsteren Pläne des Bösewichts der jeweiligen Staffel aufdeckt oder der in letzter Sekunde mit der rettenden Idee auftrumpft. Stiles ist wirklich das sprichwörtliche Ass im Ärmel und sollte nicht unterschätzt werden, nur weil er keine übernatürlichen Fähigkeiten besitzt. Doch es ist Lydia Martin, deren Entwicklung mich am meisten beeindruckt hat.

Lydia gehört zu den beliebtesten Schülern der Beacon Hills High und scheint auf den ersten Blick das klassische arrogante, hübsche Dummchen zu sein, wie man es aus so ziemlich jedem amerikanischen Highschoolfilm kennt. Zu Beginn der Serie ist sie mit Jackson Whittemore zusammen, dem Kapitän der Lacrosse-Mannschaft, einem verwöhnten, reichen Jungen, der auf den Großteil seiner Mitschüler herabblickt und auch Lydia oft schlecht behandelt. Und wo wir gerade bei Klischees sind: Natürlich ist es Lydia, in die Stiles seit vielen Jahren verliebt ist, die jedoch nichts von ihm wissen will. Stiles ist jedoch einer der Wenigen, der Lydias Fassade durchschaut und das hochintelligente, schlagfertige Mädchen dahinter erkennt. Lydia freundet sich schnell mit Allison Argent an, der neuen Schülerin auf die auch Scott ein Auge geworfen hat. Die beiden werden recht bald ein Paar, was natürlich führt, dass auch Lydia nun
deutlich mehr Zeit mit Scott und Stiles verbringt.

Im Verlauf der Serie freundet sich natürlich auch Lydia mit den Beiden an und all die merkwürdigen Ereignisse in Beacon Hills schweißen die Gruppe immer enger zusammen. Lydia zeigt schließlich, was in ihr steckt und wird selbstsicherer und mutiger. Sie lernt, sich zur Wehr zu setzen, um sich und ihre Freunde zu verteidigen. Ihre scharfe Zunge steht der von Stiles in nichts nach und die beiden liefern sich mehr als nur ein sehr unterhaltsames Wortgefecht. Auch Lydia erweist sich als jemand, der alles für seine Freunde tun würde, ungeachtet der Konsequenzen. 

Man begegnet noch vielen weiteren Charakteren in Teen Wolf, die man schnell zu lieben oder zu hassen lernt, die man liebt zu hassen oder hasst zu lieben. Feinde werden zu Verbündeten, Freunde werden zu Feinden und längst Totgeglaubte tauchen völlig unvermittelt wieder auf, während beliebte Charaktere auf einmal spurlos verschwinden.

Da sind wir schon bei der vermutlich größten Schwäche der Serie. Es gibt immer wieder Handlungselemente, die sehr willkürlich oder weit hergeholt erscheinen und teilweise sogar jeder Logik widersprechen. Das plötzliche Verschwinden einiger Charaktere ist nur ein Beispiel dafür. Versteht mich nicht falsch, ich liebe diese Serie aber manchmal macht sie einfach keinen Sinn. Wie kann es sein, dass immer wieder Morde in dieser Stadt passieren, für die nie jemand zur Verantwortung gezogen wird? Und ständig sind Scott und Co. in irgendwelche Verbrechen involviert, was aber niemanden zu stören scheint? Klar, es ist sicher hilfreich, dass Stiles Vater der Sheriff von Beacon Hills ist, aber irgendjemanden muss doch auffallen, dass dort kaum ein Verbrechen je offiziell aufgeklärt wird? Wie kann es sein, dass mehr als nur einmal Charaktere wieder auferstehen, die man ziemlich eindeutig hat sterben sehen? Hab ich die Folge verpasst, in der ein Heilmittel für den Tod gefunden wurde? Hm. Und ist es normal, dass ein Mädchen welches den Großteil ihres Lebens in der Wildnis verbracht hat einfach so wieder zur Schule geht?

Das sind nur ein paar der plot holes, die für viele Serienfans sicher ein k.o.-Kriterium darstellen. Wer sehr auf eine detaillierte und gut strukturierte Handlung bedacht ist, der ist bei Teen Wolf sicher nicht an der richtigen Adresse. Mich persönlich hat es nicht so sehr gestört, dass ich die Serie nicht weiter hätte genießen können.

Teen Wolf besticht durch eine spannende, interessante und abwechslungsreiche Story, wird sich doch in sechs Staffeln vieler verschiedener Mythologien bedient. Besonders wichtig für die Serie ist die nordisch-keltische Mythologie, unter anderem vertreten durch Druiden und Banshees, doch es wird auch immer wieder auf Elemente der griechischen Mythologie, wie beispielsweise die Legende von Lykaon, verwiesen. In der zweiten Staffel taucht ein Kanima auf, ein Geschöpf der südamerikanischen Sagenwelt. Bei den Oni in der dritten Staffel handelt es sich um japanische Dämonenkrieger und der Werkoyote, der ebenfalls in der dritten Staffel eingeführt wird, verweist auf die Sagen der amerikanischen Ureinwohner.

Außerdem, wie bereits erwähnt, habe ich die einzelnen Charaktere einfach ins Herz geschlossen. Ich habe mit ihnen gelacht und gelitten und bin mit ihnen gewachsen. Ich liebe die witzigen Dialoge und die Situationskomik! Klar, für einige Charaktere hätte ich mir ein anderes Ende als spurloses verschwinden gewünscht, aber seien wir mal ehrlich: Teen Wolf ist eine Serie über halbwüchsige Werwölfe und andere Sagengestalten. Fallen da ein paar Logikfehler und fehlender Realismus wirklich ins Gewicht? Ich glaube nicht.


(Ja, okay. Zugegeben. Die Werwölfe sehen auch einfach albern aus.)

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