Zwischen Tüll und Tartan – Historische Kostüme in Outlander TEIL 2

Autorin: Christina

Wir freuen uns sehr, euch in dieser Woche den zweiten Teil zu den historischen Kostümen (oder auch nicht ganz so historisch korrekten) in Outlander zu präsentieren. Hier erfahrt ihr mehr über das berühmt berüchtigte „rote Kleid“ und zu der Kleidung der Herren. Viel Spaß beim Lesen!

Das rote Kleid und Schnitttechniken des 18. Jahrhunderts

Oh, das rote Kleid…. Dieses Kleid ist wohl eines der Kostüme, das bisher für die meisten Diskussionen gesorgt hat und das ich natürlich nicht auslassen kann.

Also ja, ich gehöre ebenfalls zu der Fraktion, die dieses Kleid nicht mag. Vorweg: an und für sich ist es ein wahnsinnig tolles Kleidungsstück, das großartig aussieht und das ich ohne Frage auf jedem roten Teppich feiern würde, aber eben genau da, nicht im 18. Jahrhundert.

tumblr: lere8

Im Übrigen ist es in diesem Zusammenhang durchaus falsch zu argumentieren, dass das Kleid der Buchvorlage entspricht und in der Serie nur das umgesetzt wurde, was Diana Gabaldon beschrieben hat! Da wäre die Sache mit dem fehlenden Korsett, die sich in der Serie gänzlich anders darstellt als im Buch, die Tatsache der fehlenden Schleppe und generell das Aussehen des Kleides an sich.

Was mich enorm stört ist also nicht unbedingt die Farbe, sondern der Schnitt. Ja, ich weiß, dass dieses Kleid bewusst so geschneidert worden sein soll, dass es das 18. und das 20. Jahrhundert miteinander kombiniert, ebenso wie viele von Claires Outfits in Staffel 2 – etwa das gelbbraune Kleid mit Blumenmuster – aber genau das ist eine Sache, die ich persönlich eher ablehne. Davon abgesehen, dass es interessant gewesen sein dürfte wie Claire den Schneidern entsprechende Anweisungen gegeben hat ohne verstörte Blicke kassiert und eine Kiste Schnittmuster der 1940er dabei gehabt zu haben, muss bewusst sein, dass einige der Nähtechniken, die man für Claires Garderobe benutzte, eigentlich noch gar nicht angewendet wurden.

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Sehen wir uns das genauer an. Auf den ersten Blick wirkt Claires rotes Kleid wie ein Einteiler, der hinten über eine Schnürung geschlossen wird und bei dem das Oberteil fest mit dem Rock verbunden ist. Einen Übermantel/ Unterrock gibt es dabei nicht.

Nun muss dazu gesagt werden, dass diese Praktik, also das Kombinieren bzw. Vernähen von Oberteilen, die ohne Stecker geschlossen werden, und einem Rock erst um 1770 geläufig wurde. Davor bestanden Kleider aus mehreren separaten Teilen, die dann am Körper zusammengefügt wurden. Wenn wir beispielsweise an die Robe de cour denken, also an Claires Hochzeitskleid, dann erinnern wir uns daran, dass es hier noch immer ein separates Oberteil gab und den Rock, also zwei Teile, die lediglich übereinander getragen werden. Auch Claires Alltagskleider in Staffel 1 bestehen alle, soweit ich mich erinnern kann, aus einer separaten Jacke (der so genannten casaquin, später Caraco) und dem Rock.

Das Kleid ist also eine Mischung aus mehreren Stilen; das rückseitig geschnürte Oberteil gehört ursprünglich an eine Robe de cour, der Rock mit dem fixiertem Oberteil sowie die Ärmel einer Robe a l’anglaise (in dieser rundherum abgeschlossenen Form ohne sichtbaren Unterrock im Englischen auch round gown genannt), die auf der Brust kreuzenden Stoffstreifen erinnern an moderne Designs.

Hier stelle ich mir also die Frage nach der Intention. Hätte man einen ähnlichen Schnitt wie den des Hochzeitskleides gewählt oder einer anderen formellen Robe, hätte man nicht nur die Schleppe realisieren können, die im Buch erwähnt wird – man hätte auch das An- und Auskleiden deutlich unkomplizierter gestalten können.

Ich persönlich hätte mir an dieser Stelle also eher ein Kleid gewünscht, das mehr 1740er gewesen wäre und das, wenn man alle Register gezogen hätte, ohne Zweifel ebenso eindrucksvoll hätte wirken können.

Tartans, Kilts oder doch Plaids? Ein kurzes Wort zum männlichen Bein“kleid“

Tumblr: Bonny and Braw

Zunächst ein nein an jeden, der bei Outlander Kilts erwartet. Das, was Jamie und Co. in der Serie tragen, sind immerhin keine Kilts – und täten sie es, so wäre es vermutlich recht unrealistisch.

Warum das? Das Wort Kilt bezeichnet nichts anderes als den modernen Schottenrock, also das knielange Kleidungsstück, das sowohl von Frauen und Männer getragen werden kann und in verschiedensten Farben existiert.

Tatsächlich aber wurde der Kilt erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfunden und das, so besagt die Legende, zu allem Überfluss auch noch von einem Engländer – alltäglich getragen wurde er von den Highlandbewohnern erst sehr, sehr viel später.

Das, was wir dagegen in der Serie sehen und was historisch in der Tat bedeutend korrekter ist, ist der so genannte belted plaid. Dieser wiederum ist mitnichten ein Rock, eigentlich nicht einmal ein Kleidungsstück, sondern, wie der Name bereits vermuten lässt, im Grunde nicht mehr als eine wollene Decke, die erst durch eine bestimmte Falttechnik zum Rock gelegt wird (und ausschließlich von Männern getragen wurde).

Ja, ihr erinnert euch: in der Szene nach der Hochzeit sehen wir Jamie eben jene Prozedur vollführen; wie er den Stoff faltet und sich schließlich auf dem Boden liegend darin einschnallt. Will man kleinlich sein, sollte man erwähnen, dass noch nicht sicher geklärt ist, ob ein Schotte tatsächlich jeden Morgen seinen guten Plaid auf dem schmutzigen Boden ausgerollt und selbigen beim Auffalten damit gewischt hat. Mittlerweile geht man davon aus, dass die Falten des Plaids, waren sie einmal gefaltet, mit ein paar Stichen fixiert wurden, um sich die mühsame Prozedur und das unbeabsichtigte Bodenwischen am Morgen zu sparen.

In diesem Punkt erhält die Serie also volle Punktzahl, ebenso dafür, dass wir sehen können, auf welche Arten ein belted plaid getragen werden kann: locker herabhängend, wie Jamie es bevorzugt, oder sorgsam über der Schulter zusammengehalten wie bei Dougal. Daneben konnte ein belted plaid auch als Schutz vor Regen dienen oder als wärmender Umhang über die Schulter gelegt werden, wie wir es in der ersten Episode der ersten Staffel sehen.

Was dagegen reiner Mythos ist und bleibt sind clanspezifische Tartans zu dieser Zeit.

In der Serie spricht man gern vom Fraser-Tartan, vom McKanzie-Tartan usw., aus historischer Sicht ist dies aber leider nicht korrekt. Auch wenn sich vorher bereits Vorlieben einiger Clans zu bestimmten Mustern herauskristallisiert hatten, so fand die endgültige Zuordnung spezifischer Tartans zu einem bestimmten Clan erst im frühen 19. Jahrhundert statt. Davor war die Farbe eines Tartans in erster Linie abhängig von den finanziellen Mitteln des Trägers und den zur Verfügung stehenden Stoffen bzw. den Färbemitteln. Es überrascht also nicht, dass die ersten Tartans hauptsächlich in grün, braun, schwarz und blau gehalten wurden. Einer der frühesten nachzuweisenden Tartans, jener der Black Watch, ist mit seinem grün-blau-schwarzen Karomuster ein schönes Beispiel dafür.

Im Übrigen ist es durchaus üblich, dass viele Clans zumindest in heutiger Zeit weit mehr als nur einen einzigen Tartan besitzen. Grund dafür ist zum einen der Umstand, dass viele Clans in mehrere Linien unterteilt sind, die wiederum alle eine ganze Handvoll eigener Variationen vorweisen können, zum anderen kann ein Tartan auch abhängig von der Verwendung (zum Beispiel bei s.g. Hunting tartans) farblich vollkommen anders gestaltet sein.

Ein Wort zum Schluss

Fazit des Ganzen; Outlander ist eine großartige Serie mit ebenso großartigen Kostümen, bei denen aber nicht zwangsläufig auf historische Korrektheit geachtet wird. Dass das Wissen um authentische Schnitte und Muster durchaus vorhanden ist, zeigen uns viele Kostüme von Nebendarstellern (z.B. einige großartige Kleider von Louise, die u.a. an Madame de Pompadour angelehnt wurden und einfach zu 100% stimmig sind), weshalb in den anderen Fällen also scheinbar bewusst auf Authentizität verzichtet worden ist.

Und hier möchte ich noch einmal auf das zurückkommen, was ich zu Beginn des Artikels geschrieben habe. Viele Kostümdesigner verzichten auf historische Korrektheit, um den Charakter einer Figur, seine Gedanken oder Vorstellungen für den Zuschauer sichtbar machen zu können, und nirgendwo wird diese Praktik deutlicher als an Claires Kleidern in Outlander, vor allem in der zweiten Staffel. Hier spielt die Kostümdesignerin ganz bewusst mit einer Stilmischung aus den 1740ern und 1940ern, um die Zugehörigkeit der Figur zu beiden Jahrhunderten hervorzuheben, vielleicht auch die Zerrissenheit, in keiner der beiden Welten endgültig zu Hause zu sein.

In wie weit dies im realen 18. Jahrhundert möglich gewesen wäre, ist eine Sache, in wie weit man diese Vorgehensweise respektiert oder kritisiert, bleibt am Ende jedem selbst überlassen.

Aus Sicht einer Historikerin sage ich selbst, dass ich sehr gerne mehr an authentischen Kleidern gesehen hätte, als großer Fan glaube ich dagegen, dass es der Serie in keinster Weise schadet und sicherlich niemandem den Spaß daran nehmen sollte.

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