It’s Morphin‘ Time – Eine Power Rangers Filmkritik

Eins gleich vorweg: Als Kind durfte ich nie Power Rangers schauen. Es ist also meiner Schwester zu verdanken (die glühender Fan ist, aber auch erst, seit sie erwachsen ist), dass ich mich am Premierentag zum neuen Power Rangers Film im Kino wiederfand, bewaffnet mit gleich fünf Filmplakaten (die Verteiler waren sehr großzügig) und zugegebenermaßen mit nicht besonders hohen Erwartungen. Das Einzige, was ich kannte, war das eine oder andere Bild aus den 90ern, von Typen in quietschbunten, trashigen Anzügen, die gegen irgendwelche Monster kämpften, deren Sinn sich mir nicht ganz erschloss, und irgendwie übernimmt man ja auch die Vorstellungen der Eltern, wenn man sich nie selber eingehend mit einem Thema befasst hat.

Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Und wenn ich das sage meine ich: Der Film war überraschend gut, tatsächlich hatte ich daran wesentlich mehr Spaß als an den letzten Marvel-Filmen.

Ab hier folgen Spoiler

Klar, es ist in erster Linie ein Jugendfilm. Die Handlung ist einfach strukturiert – da die Guten (lange ohne Anzüge), da die Böse(n), hier das „uiii, ich habe Superkräfte!“ bis hin zum Showdown mit Michael-Bay-Referenz, Feuer und Explosionen, gefolgt vom selbstverständlichen Happy End. Es gibt keine Romanze, dafür aber das überraschende Coming Out eines weiblichen Rangers.

Überhaupt haben die Charaktere in meinen Augen verblüffend viel Tiefgang für einen Superhelden-Blockbuster. Sicher, sie sind alle Tropes (der Asiate, der Nerd, der Quarterback, die Neue, die Cheerleaderin), doch sie sind sympathisch und man erfährt bei fast jedem von ihnen genug Hintergrundwissen, um sich ein Bild machen zu können. Natürlich sind Klischees vertreten, doch darauf werden sie nicht reduziert. Einer pflegt Zuhause seine kranke Mutter, „der Nerd“ erklärt sein Verhalten durch Autismus, und die zickige Cheerleaderin schneidet sich die Haare ab und überdenkt, wie sie früher ihre Klassenkameraden drangsaliert hat, um anschließend zur Heldin zu werden. (Und, was mir persönlich am wichtigsten ist: Der lesbische Ranger ist keine Kampflesbe, sondern ein ganz normaler Teenager. DANKE.)

Eine weitere, angenehme Überraschung ist, dass die Charaktere tatsächlich agieren wie normale Menschen. Die Dialoge wirken nicht gestelzt oder unnötig dramatisch, und als der Bösewicht einem der Helden den klassischen Deal à la „Schließ dich mir an, dann verschone ich dich, aber verrat deine Freunde!“ anbietet, klärt sich die Sache recht fix.

Die quietschbunten Anzüge wurden in modern aufgerüsteter Form beibehalten, ebenso die Zods. Das führt dazu, dass die große Schlacht am Ende mehr aussieht wie die Fortsetzung der „Transformers“-Filme, nimmt dem Filmspaß jedoch nicht im Geringsten.

Fazit

Alles in allem ist es ein klassischer Superheldenfilm, mit epischem Soundtrack von Brian Tyler (bekannt zum Beispiel über „Assassin’s Creed – Black Flag“, aber auch „Age of Ultron“ und diverse andere MCU-Filme), der trotzdem überraschend un-klischeehaft ist, und den es sich definitiv lohnt, anzuschauen – vielleicht sogar ein zweites Mal.

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