Convention is therapy – Der Samstag der MagicCon

Nach einer langen Nacht, in der wir uns nur schwer von der Tanzfläche loseisen konnten, vielleicht etwas tief in die Metflasche geguckt und so laut mitgesungen haben, dass unsere Stimmbänder protestierten, schleppten wir uns zurück ins Maritim Hotel. Und das um 10 Uhr morgens, denn leider hat Louise Brealey nur ein Panel abbekommen und da wir sie schon auf der Opening so toll fanden, mussten wir einfach da hin.

MagicCon 2017, Foto: Tobias Schad, www.schad-foto.de

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Am Abend zuvor hätten wir noch gedacht, dass sie super schüchtern sei, aber damit lagen wir völlig falsch. Mit Marks Hilfe taute sie schnell auf und begeisterte mit ihre Geschichten und Anekdoten, die super interessant und lustig waren. Louise berichtete von ihren Erfahrungen bei Sherlock und ihrer Abneigung gegen Fanfiction. Da hätte sie schon einige abstruse Geschichten gelesen. Mark Gatiss hätte sogar nach dem Ende der zweiten Staffel eine Fantheorie entdeckt, die dem tatsächlichen Tathergangs des Reichenbachfalls so nahe kam, dass sie die Geschichte doch noch einmal hätten ändern müssen. Außerdem erzählte sie von ihrer Erfahrung, einmal Helena von Troja in einem Theaterstück verkörpert zu haben. Bei diesen Aufführungen musste sie alle Hüllen fallen lassen, was ihr doch sehr schwer gefallen sei. Sie hätte sich auf der Bühne in die schönste Frau der Welt hineinversetzen müssen, fühlte sich jedoch alles andere als schön, was nicht zuletzt auch an der furchtbaren, grellen Beleuchtung lag. Einmal sei sie bei den Proben sogar weinend von der Bühne gegangen, weil sie glaubte, das ganze nicht durchziehen zu können. Nach dieser Erfahrung, erzählte Louise, hätte sie sehr viel über body positivity gelesen und ihre Eindrücke auch in einem Artikel für eine Zeitung verarbeitet, denn vor ihrer Karriere als Schauspielerin hatte Louise als Journalistin gearbeitet.

 

Danach ging es mit Emilie de Ravin weiter, die nicht weniger überzeugte. Überraschenderweise wurden viele Fragen zu ihrer früheren Rolle in Lost gestellt. Sie erzählte auch von ein paar Pranks am Set. Mit Ian Somerhalder hätte sie einmal eine Gruppe Touristen reingelegt: Für ihre Rolle trug sie einen Schwangerschafts-Bauch, Ian und sie taten so, als würden sie sich streiten und auf einmal holten Ian aus, sodass es aussah, als würde er sie in den Bauch schlagen. Emilie warf sich theatralisch auf den Boden und die armen Touristen bekamen den Schock ihres Lebens, fuhren aber einfach weiter. Ian hingegen wurde auch einmal Opfer eine Streichs, als eine Schauspielkollegin ihn in einer gemeinsamen Kussszene mit einem Mund voll rohem Knoblauch erwartete. Und damit war unsere Aufmerksamkeitsspanne für den Morgen auch schon aufgebraucht und wir wanderten weiter durch die Gänge des Maritims, machten es uns bei der DTG gemütlich und schlugen uns später noch den Bauch im Vapiano voll.

Highlights am Nachmittag

Erst am Nachmittag gingen wir zurück in den Hauptsaal und bekamen noch den Rest von Tom Wlaschihas Panel mit. Er erzählte von den Anfängen seiner Schauspielkarriere in einer (anscheinend) nicht besonders gelungenen deutschen Produktion namens Die Rettungsflieger und dass für ihn das tollste am Schauspielerdasein das Ausschlafen sei. Außerdem verriet er, dass er am liebsten, natürlich, Jaquen H’Gar auf dem Eisernen Thron sehen würde, oder aber auch Arya – und all das erzählte er in einer wunderbaren, lustigen Mischung zwischen Deutsch und Englisch. Schnell waren wir uns sicher: Das müssen wir am nächsten Tag unbedingt noch einmal komplett sehen.

MagicCon 2017, Foto: Tobias Schad, www.schad-foto.de

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Für den heutigen Tag war wohl unser persönliches Highlight das Doppel-Panel von Adam und Dean. Wer die beiden schon ein paar Mal gesehen hat weiß, dass das ziemlich viel Spaß versprach. Sie bilden einfach ein perfektes Duo. Adam erzählte eine neue Anekdote aus dem letzten Jahr: Er wurde von seiner alten Schule für einen Vortrag vor den Kindern, seinen alten Lehrern und dem Bürgermeister der Stadt eingeladen und sollte anschließend ein paar Fragen der Schüler beantworten. Als er gefragt wurde, ob er einen Rat für jemanden hat, der gerne auch Schauspieler werden würde, vergaß Adam unglücklicherweise kurz wo er war und wen er da vor sich hatte und antwortete: „It’s simple. Don’t fuck it up!“ Die Kinder fanden das zwar super, aber die Erwachsenen zweifelten etwas daran, ob dieses Aussage wirklich pädagogisch wertvoll sei. Dean hatte natürlich eine ähnlich lustige Geschichte parat: Er und ein paar andere Hobbit-Schauspieler wurden nach Hobbiton eingeladen, wo ein paar Gäste waren. Einige der Gäste durften in die Maske und wurden wie Zwerge, Hobbits oder Elben geschminkt. Dean saß einem Mann gegenüber und fragte ihn, ob seine Nase auch von der Maske vergrößert worden wäre. Der Mann verneinte und Dean reagierte tatsächlich mit einem: „No way!!“ Problem an der Geschichte war nur, dass der Mann der Kronprinz von Dänemark war. Well done, Dean. Besondern deutlich wurde in diesem Panel Adams Liebe zu Beyoncé: Müsste er einen Gefährten auswählen mit dem er sich auf die Reise zum Schicksalsberg begibt, wäre das Beyoncé. Müsste er jemals Ori erneut casten, dann würde seine Wahl auch auf Beyoncé fallen. Kein Wunder, dass wir „Single Ladies“ für immer mit Adam verbinden werden! Im Laufe des Panels war es auch Adam, der eigentlich die ganze Convention ganz gut zusammenfasste: „Honestly, this is like therapy!“

Ein gespaltenes Publikum & der Costume Contest

MagicCon 2017, Foto: Tobias Schad, www.schad-foto.de

MagicCon 2017, Foto: Tobias Schad, www.schad-foto.de

Direkt nach diesem fantastischen Panel kam das von vielen heiß ersehnte und von anderen gefürchtete Panel mit Ian Somerhalder. Der Altersdurchschnitt im Saal sackte rapide nach unten und auch das Niveau ist etwas ins wanken geraten. Durch viele heulende Teenager und tatsächlich einer „Darf ich dich umarmen“-Frage war das Panel schon etwas… anstrengend. Leider waren die anderen Fragen auch sehr oberflächlich und ließen Ian nicht wirklich Raum mit etwas anderem als Standardantworten zu reagieren. Auf jeden Fall gelang es Ian, das Publikum zu spalten. Während die einen ihm an den Lippen hingen und jedes seiner Worte aufsogen, amüsierten (und echauffierten) sich die anderen über seine „Ich-rette-die-Welt“-Attitüde. Etliche Besucher erzählten im Nachhinein, dass ihnen Ians gutmenschliche Art aufgesetzt und übertrieben erschienen wäre. Seine Anekdoten hätten unecht gewirkt und die Betonung auf die 7, bald 9, Firmen, die er und seine Frau besitzen, hätte ihn einfach arrogant wirken lassen. Aber wer weiß? Vielleicht wäre das Panel sogar gut geworden, mit ein paar tiefgründigeren Fragen.

Nach Ians Auftritt stand der letzte Programmpunkt des Abends an, auf den wir schon ungeduldig gewartet hatten: der Costume Contest. Dieser wurde erneut von Hydra Forge veranstaltet und durchgeführt. Das bedeutete auch, dass der gute Tom wieder unser Moderator sein würde. Zugegeben, im Vergleich zum letzten Jahr hat Tom sich schon deutlich besser geschlagen: Sein Englisch hat sich verbessert und er selbst wirkte auch weniger nervös. In Sachen Schlagfertigkeit jedoch besteht noch Verbesserungsbedarf und manche seiner Fragen an die Teilnehmer hätte er auch besser vorbereiten können. Auch das häufige Vertauschen von Namen und Titeln der Teilnehmer wirkte unprofessionell. Im Nachhinein beschwerten sich einige der Teilnehmer darüber, dass ihre Titelauswahl nicht ausreichend beachtet wurde: Da wurde hier ein Musikstück länger laufen gelassen als geplant, während bei anderen der Titel gekürzt wurde. Liebes Team von Hydra Forge, das muss doch nicht sein. Nicht umsonst geben sich die Teilnehmer so oft so viel Mühe mit ihrer Performance. Da zählt jede Sekunde.

Die Kostüme waren natürlich wieder atemberaubend schön: Viele tolle Kleider und Rüstungen, Zwerge, Elben, Göttinnen, Krieger und Vampire. Der Detailreichtum der Kostüme und die Arbeit, die in den meisten Fällen dahinter steckte, beeindruckten uns total. Der Contest ist wirklich jedes Jahr ein ganz besonderes Highlight. Fotos haben wir natürlich auch fleißig gemacht. Die gibt es dann bald in einer extra Galerie zu bestaunen.

So endete dann also unser zweiter Conventiontag und wieder ging es zu DJ Updi auf die Tanzfläche. An das frühe Aufstehen am nächsten Tag dachte dabei niemand.

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