Comedy Hour Tag 1, Foto: Tobias Schad

Der Anfang vom Ende – der Freitag der HobbitCon 2016

Es ist Mittwochabend, vor drei Tagen saßen wir noch alle im Hauptsaal des Maritim Hotels in Bonn bei der Closing Ceremony der letzten HobbitCon und versuchten vergebens, unsere Tränen zurückzuhalten. Mittlerweile sind die Tränen (beinahe) getrocknet und anhand unzähliger Fotos und Videos lassen wir nun dieses großartige Wochenende Revue passieren. Die HobbitCon 4 stand trotz der Abwesenheit einiger Stammgäste ihren Vorgängern in nichts nach und bildete ein würdiges Ende der Mittelerde-Conventions in Deutschland.

Willkommen zurück!

Der Freitag der HobbitCon startete recht entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück im Maritim Hotel. Darauf freut sich der Hobbit in mir schon im Vorfeld immer sehr! Beim Verlassen des Frühstücksraumes war die Warteschlange am Check-In bereits erschreckend lang und reichte wie schon im Vorjahr einmal quer durch das Foyer bis in den Wellnessbereich des Hotels. Schon jetzt konnte man viele beeindruckende Kostüme bestaunen und Tolkien-Fans aus aller Welt beobachten die einander freudestrahlend begrüßten, glücklich, endlich wieder unter normalen Menschen zu sein.

10 Uhr wurde das Conventiongelände für die Besucher geöffnet. Unser Weg führte uns zuerst in die Händlerräume. Dort warteten die altbekannten Stände auf uns und direkt wurden die ersten Euros in Merchandise investiert. Im Eingangsbereich des Conventiongeländes entdeckten wir einen kleinen Schrein für Christopher Lee und Andrew Lesnie, die im Frühjahr und Sommer des letzen Jahres verstarben. Eine sehr schöne Idee. Ich hatte direkt wieder einen kleinen Klos im Hals.

Händlerstand auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Händlerstand auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Anspruchsvolle Aufgaben und erste Panels

Um 12 fiel der Startschuss für das Programm der letzten HobbitCon und für mich war es Zeit für die erste Probe des RingChoir an diesem Wochenende. Wir hatten Großes vor! Bereits seit Anfang März probte der ungefähr 50 Sängerinnen und Sänger umfassende (und stetig wachsende) harte Kern des Chores an zwei anspruchsvollen Stücken – Billy Boyds The Last Goodbye und einer neunstimmigen (!!!) Version von Ed Sheerans I See Fire – und nun galt es beide Lieder mit 80 Neulingen auf der Con in Rekordzeit einzustudieren. Ich gebe zu, dass ich nach dem Chorwochenende erhebliche Zweifel an der Umsetzung dieses Monsterprojektes hatte. Never have I been so wrong in my life. Bereits nach dieser ersten Probe wurde ich eines Besseren belehrt. Beide Stücke wurden unheimlich schnell aufgefasst und bereits nach zwei Stunden bereiteten nur noch einzelne Stellen kleine Probleme. Dennoch wurde für den Abend eine Extraprobe angesetzt. Sicher ist sicher.

Tommy Krappweis auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Tommy Krappweis auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Tommy Krappweis Lesung zu seinem im letzten Jahr erschienenen Roman Ghostsitter hatte ich durch die Probe leider verpasst, sowie das erste Panel des Con-Neulings Dallas Barnett. Es folgten zwei Doppelpanels – zunächst Mark Hadlow und Stephen Hunter, dann John Callen und William Kircher – bevor eines meiner Highlights folgte: das Gruppenpanel von Jed Brophy, Adam Brown und John Bell. Ein Fan fragte, was die drei machen würden, wenn sie als Regisseur die Möglichkeit hätten, Peter Jackson als Schauspieler zu casten. Während Jed Peter gerne einmal in der Rolle eines Rappers sehen würde, dachten John und Adam direkt daran, den Spieß einmal umzudrehen: Adam würde Peter in den frühesten Morgenstunden wecken und in die Maske schicken, wo man ihm in stundenlanger Arbeit genauso viel Make-Up, Prosthetics und Gesichtsbehaarung verpassen würde, wie die Zwerge monatelang erdulden mussten, während John ihn einfach stundenlang ein und dieselbe Szene drehen lassen würde, immer und immer wieder. Dann schaltete sich Moderator Mark Ferguson ein und meinte, dass er Peter als einen supercoolen Charakter casten würde, nur um ihn dann in der Endversion des Filmes wieder rauszuschneiden, denn ihm selbst ist es ja auch nicht anders ergangen.

Auch von den Dreharbeiten der sechs Mittelerde-Filme wurden wieder viele lustige Geschichen erzählt, da blieb kaum ein Auge trocken. Auf die Frage nach dem peinlichsten Moment am Set hin erzählte John Bell von seinem ersten Drehtag, an welchem er Schauspielerkollegen Luke Evans direkt eine Platzwunde über dem Auge verpasste. Er selbt war zu Tode erschrocken, doch Peter Jackson schien die Echtheit dieser Kostümergänzung zu gefallen. Irgendwie nicht wirklich überraschend, scheint PJ es doch immer ein wenig zu genießen, wenn seine Schauspieler leiden. Jed berichtete von den Dreharbeiten zu Die Gefährten, wo er als Ork in einer Szene mit Christopher Lee auftrat. Dabei trug er eine recht lockere und sehr hinderliche Zahnprothese, die es ihm unmöglich machte, seinen Text vernünftig zu artikulieren. Und als wäre das noch nicht unangenehm genug im Angesicht einer solchen Schauspielerlegende, spuckte er Lee diese Prothese bei einem Take auch mitten ins Gesicht. Autsch!
Doch natürlich war es wieder einmal Adam Brown, der mit seiner Gesichte vom ersten Treffen mit Orlando Bloom den Vogel abschoss: Aufgrund einer allergischen Reaktion auf das verwendete Make-Up hatte er ein paar Tage Drehpause. Das Wetter in Wellington war gut und Adam war gerade dabei nur in Unterhose im Vorgarten seine Wäsche aufzuhängen. Dabei tanzte er fröhlich zur Musik alter Popsongs vor sich hin, als er plötzlich hinter sich ein „How are you doing, mate?“ hörte. Zu Tode erschrocken lies Adam einen spitzen Schrei hören, wirbelte herum, warf seinen Wäschekorb von sich und verteilte seine Unterwäsche im ganzen Garten. Ich bin mir sicher, dass er damit einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat! Außerdem hörten wir Geschichten wie Mark Ferguson sich zum wiederholten Male in betrunkenem Zustand nackt aus seinem Hotelzimmer aussperrte, Jed einen Privatwagen mit einem Taxi verwechselte und den Fahrer damit seeehr irritierte und wie sich eine Freundin von Adam Brown nach einer durchfeierten Nacht in ihr eigenes T-Shirt erbrach, um nicht die horrenden Reinigungsgebühren für die gemietete Limousine zahlen zu müssen. Bereits nach diesem Panel hatte ich Bauchschmerzen vor Lachen!

Team Pornobalken

Es folgte das Panel von Mark Ferguson und Publikumsliebling Craig Parker, der seit Jahren fester Bestandteil der RingCon war. Mit dem Hobbit hat Craig eher weniger zutun, aber da er zur letzten RingCon leider verhindert war, wurden er und Lori Dungey auf vielfachen Wunsch zur letzten HobbitCon eingeladen. Mark und Craig, auch bekannt als Sexy-Mark, zusammen sind einfach immer wieder ein Highlight! So jagte auch in diesem Panel wieder ein Lacher den nächsten. Mit einer (eigentlich eher spielerischen) Ohrfeige zerlegte Craig Marks Mikro und bezeichte später Hobbits als „dirty little stoner hippies“ (da hat sicher die elbische Arroganz gesprochen!). Auf die Frage hin, warum er sich denn mit allen auf der RingCon vetretenen Fandoms so gut auskenne, bezeichnete sich Mark als „OmniFan“ und gab zu, die meisten der Filme und Serien wirklich gesehen zu haben. Manche hätte er danach wohl nur zu gern wieder aus seiner Erinnerung verbannt. Ob das wohl eine Anspielung auf gewisse glitzernde Vampire war? In Erinnerung an die HobbitCon 2015 bekam Mark von einem Fan ein knalloranges, recht enges T-Shirt mit der Aufschrift Team Pornobalken, was er auch prompt auf der Bühne anzog. Das Ausziehen gestaltete sich als umso spannender, wobei ihm Craig natürlich bereitwillig zur Hand ging. Was da auf der Bühne passierte, lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Ein Glück, dass unser Fotograf unermüdlich Fotos geschossen hat!

Als nächstes begaben wir uns zum Panel von Mark Atkin, Stunt- und Scaledouble von Richard Armitage aka Thorin Eichenschild, der bereits 2014 schon als Gast auf der HobbitCon war. Der ehemalige Polizeibeamte war sichtlich froh, wieder in Bonn zu sein, auch wenn man ihm die Nervosität ob seines ersten Panels deutlich anmerkte. Lori Dungey hätte ihm eigentlich zur Seite stehen sollen, war jedoch leider verhindert und so war Mark ganz auf sich allein gestellt. Seine Nervosität war jedoch völlig unbegründet. Der Strom von interessanten Fragen der Fans riss nicht ab und Mark beantwortete alle mit Bravour. Mark erzählte unter anderem von seinem Leben vor dem Hobbit, wie er erst als Polizeibeamter in London gearbeitet hatte und später nach Neuseeland ausgewandert war. Dort arbeitete er ebenfalls bei der Polizei, bis ihn ein Freund auf ein Casting für den Hobbit aufmerksam machte, bei dem vor allem kleine Menschen gesucht wurden. Mark gab der Sache eine Chance, wurde aber direkt wieder nach Hause geschickt, da er tatsächlich ein wenig zu groß war – zum ersten Mal in seinem Leben! Glücklicherweise wurde diese Entscheidung noch einmal überdacht: Mark wurde zum Casting vorgelassen und einige Zeit später bekam er den Anruf, dass er den Job bekommen habe. Das war der Punkt, an dem sein Leben sich von Grund auf änderte.

Markt Atkin auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Markt Atkin auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Lasst die Con (nun offiziell) beginnen!

Nun stand die lang erwartete Opening Ceremony auf dem Programm, bei der Vortragende, Workshopleiter und Stargäste vorgestellt werden und die Fans offiziell begrüßen. Vorher gab es jedoch noch eine Tanzaufführung und ein selbstkomponiertes Abschiedslied, vorgetragen von der talentierten Ingrid Windsland. Unter den Vortragenden welche die Bühne enterten war natürlich auch Tommy Krappweis, der aufgrund des gemeinsam geschriebenen Buches Sportlerkind seinen Vater Werner mitgebracht hatte. Diesen lud er dazu ein, ebenfalls ein paar begrüßende Worte ans Publikum zu richten, woraufhin dieser in einen (gefühlt) minutenlangen und sehr enthusiastischen Vortrag über seinen Sohn ausbrach, von dem er jahrelang angenommen hätte, er wäre missraten. Es konnte schließlich nicht normal sein, dass Tommy sich lieber mit Lego oder einen großen Stapel Bücher in seinem dunklen Zimmer verkroch, anstatt draußen in der Sonne zu spielen und zu sporteln. Werner Krappweis Redeschwall endete mit der verblüfften Feststellung, dass sein Sohn damit ja gar nicht allein sei und einem peinlich berührten Tommy, der kopfschüttelnd und mit hochrotem Kopf daneben stand. Das Publikum lag sich in den Armen vor Lachen! Dann kamen die Schauspieler einzeln auf die Bühne. Ich freute mich sehr darüber, „unsere“ Zwerge nach einem Jahr endlich wiederzusehen, obwohl es natürlich wirklich schade war, dass Peter Hambleton, Dean O’Gorman und Graham McTavish absagen mussten. Von den letzteren beiden wurde überraschend eine Videobotschaft eingespielt in welcher sie ihr Bedauern bekundeten und erklärten, dass es Mark Hadlows Schuld wäre, dass sie nicht hätten kommen können. Dieser hätte sie nämlich heimtückisch entführt, ihnen aber ausreichend Wein zur Verfügung gestellt. Die Ärmsten.
Besonders gespannt war ich auf Ryan Gage, der im Hobbit den Alfrid spielt. Dieser betrat mit einem Grinsen die Bühne, das gefühlt einmal um seinen Kopf herumzureichen schien. Wenn man diesen Mann sieht, kann man einfach nur gute Laune bekommen. Auf mich machte er einen sehr sympatischen ersten Eindruck, was sich im Verlauf des Wochenendes noch bestätigen sollte. Dann betrat Billy Boyd die Bühne, auf den ich mich ganz besonders gefreut hatte. Seit der Herr der Ringe Filme zählt er zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern, weshalb ich mich vor ein paar Jahren auch auf den Weg nach London machte, um ihn in MacBeth im Globe Theatre spielen zu sehen. In den Hobbit-Filmen hatte Billy nicht mitgespielt, er steuerte lediglich den Titelsong des dritten Filmes bei. Begrüßt wurde er dennoch mit frenetischem Jubel und sollte sich auch bei vielen anderen Besuchern an diesem Wochenende zum Highlight der Con entwickeln.

Muskelkater vom Lachen

Nach der Opening folgte noch ein letztes Panel: Die Comedy Hour mit Mark Ferguson, Craig Parker, Jed Brophy und Adam Brown. Sagenhaftes spielte sich da auf der Bühne ab! Direkt zu Beginn des Panels wurde Adam im Team Mark aufgenommen und bekam seinen eigenen Pornobalken und Sexy-Marks selbstgebastelte rote Plastikkrawatte. Er kann es tragen, dass muss man schon zugeben! Es gab altbekannte Spiele wie die Wörterkette und sehr, sehr viel unglaublich lustiges Improtheater. So wurden wir Zeuge einer Szene in einem römischen Badehaus, wo die Erfindung des Rasierers als neueste Innovation angepriesen wurde. Diese sollte dann direkt von stinkenden, behaarten Barbaren entwendet werden, was ein beherzter römischer Adeliger (aka Adam Brown) zu verhindern suchte, indem er seinen Rasierer in seinem Allerwertesten versteckte. Anschließend wurde ein weiblicher Fan auf die Bühne gebeten um vom Heiratsantrag ihres Freundes zu erzählen, der dann von den Schauspielern auf der Bühne in verschiedensten Emotionen nachgespielt wurde.

Adam Brown und Craig Parker auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Adam Brown und Craig Parker auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Außerdem sahen wir Adam Brown als den nächsten Doctor in Doctor Who, Jed als seinen Companion und Craig und Mark als zwei sehr überzeugende Daleks. Dabei schaffte es Craig wieder, einen Teil der Bühnendeko zu zerlegen. Die Rechnung dieses Mannes wuchs und wuchs. Dann schlüpften die vier in die Rolle von Superhelden um die drohende Vernichtung Bonns aufzuhalten, jedoch einer mit nutzloseren Fähigkeiten als der andere. Mark wurde Cheese-Man und konnte alles was er berührte in Käse verwandeln. Craig besaß fortan die erstaunliche Fähigkeit, eine Ziege zu verärgern, Adam konnte plötzlich ganz fantastisch Hula Hoopen und Jed wurde zu Dolphin-Man – halb Mensch, halb Delfin. Nach diesem Panel hatte ich Muskelkater vom Lachen und Kreuzschmerzen vom vielen Sitzen. Der Tag hatte seine Spuren hinterlassen. Die meisten Besucher fanden sich nun auf der Tanzfläche und in der Bar ein, doch für mich ging es zunächst zur Extraprobe des RingChoir. Es war bereits halb 10 und man hat allen die Erschöpfung angemerkt, doch die Motivation war ungebrochen!

Als ich schließlich zur Party kam, war diese schon im vollem Gange. Der altbewehrte DJ Updi sollte erst am nächsten Abend auflegen. Am Freitag war ein uns noch unbekannter DJ an der Reihe, dem es scheinbar noch nicht richtig gelang, das HobbitCon-Publikum einzuschätzen. Demzufolge schwankte die Stimmung an diesem Abend ein wenig, was uns dazu veranlasste, die Party früher als gewohnt zu verlassen. Aber so gab es immerhin auch ein paar zusätzliche Stunden Schlaf und mehr Energie für den zweiten Tag der HobbitCon.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.