Tommy Krappweis auf der HobbitCon, Foto: Tobias Schad

Interview: Tommy und Werner Krappweis – Teil 2

So, hier habt ihr ihn: den zweiten Teil unseres Interviews mit den Herren Krappweis! Wir wünschen euch viel Spaß damit! 

Wie sieht denn so im Normalfall dein Alltag als Autor aus?

Tommy: Ich hab ja keinen Normalfall in dem Sinne. Mein Tag geht zur Zeit damit los, dass ich mir auf Vimeo irgendwas angucke, was meine Firma hochgeladen hat, von einer Doku, die wir gerade für ServusTV drehen. Danach schreibe ich ein bisschen Konzept für eine neue Serie für Turner, Boomerang oder Cartoon Network, dann schreibe ich an Ghostsitter weiter, dann esse ich vielleicht was oder dusche auch mal gelegentlich. Dann schaue ich mir Visual Effects von irgendeinem Projekt an, was wir gerade machen. Dann fahre ich in die Firma und mache eine Besprechung, dann telefoniere ich mit irgendeinem Sender und dann komponiere ich einen Song. Also insofern gibts keinen Tagesablauf der klassisch ist. Jeder Tag ist komplett anders.

Schläfst du auch mal?

Tommy: Ja, das war eine interessante Erfahrung, ist schon länger her. Ja schon, doch, ich schlafe gerne und viel und meistens auch gut. Aber ich bin in den Dingen, die ich mache, auch sehr schnell, muss man sagen. Der Vorteil ist, dass das ja alles aus mir raus muss und ich auch nicht so der Besprechungs-Typ bin, der lange irgendwas kaputtredet und dann nach Reißbrett runterschreibt. Ich habe die Sachen im Kopf und schreibe sie dann auch so. Das kann ich dann auch weitestgehend unbehelligt tun, ohne mich dauernd mit irgendwelchen Leuten abstimmen zu müssen, darum bin ich wirklich schnell. Das Problem wäre eher, wenn ich in einer Struktur wäre wie vielleicht in einem Fernsehsender, wo es dauernd Redaktionsmeetings gibt und dann ist alles anders und nochmal anders. „Du, wir haben uns da was überlegt …. Hey,  mir ist da grad beim scheißen was eingefallen…“ – das ist gar nicht mein Ding. Da wäre ich dann genauso durchschnittlich schnell oder langsam wie alle anderen.

Also ziehst du erst mal eine Idee von vorn bis hinten durch.

HobbitCon 2016, Maritim Hotel Bonn, Tommy und Werner Krappweis, 03.04.2016, www.schad-foto.de Foto: Tobias Schad

Tommy und Werner Krappweis, Foto: Tobias Schad

Tommy: Ja, ich bin auch nicht so der Brainstorming-Typ. Wenn ich nach fünf oder sechs Minuten Besprechung, oder vielleicht auch nach einer halben Stunde, eine Idee habe, die

ich geil finde, und in meinem Kopf dann schon alles fertig ist und ich mir denke: „Hey, das ist super, das mach ich jetzt!“, dann möchte ich das gern machen. Dann möchte ich nicht von irgendeinem Eierkopf hören „Ja, aber lass uns doch noch mal ganz neu denken!“ –  „Nein, wir denken jetzt nicht neu. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wir denken jetzt neu und ich brech dir den Arm, oder du lässt mich das jetzt schreiben.“ Und dann gehe ich halt. Das ist natürlich leicht bei einer Firma, die einem selber gehört, wenn man einfach sagen kann, dass diese Sitzung beendet ist.

Wenn du als Regisseur arbeitest und die Szene genau im Kopf hast, wie viele Takes brauchst du denn dann, bis du zufrieden bist?

Tommy: Wenig. Immer wenig, ganz wenig. Ich drehe nicht viele Takes. Wenn aber beispielsweise der Schärfebereich der Kamera einfach nur eine gewisse Größe hat und der Schauspieler mit seiner Nase dauernd rein- und raustanzt, und es ist dann unscharf – scharf – unscharf – scharf, da brauchst du dann vielleicht schon mal sieben, mal zwölf oder mal zwanzig Anläufe bis das klappt. Aber wenn es mit Schauspiel und Darstellen im weitesten Sinne zu tun hat, dann ist es selten, dass wir mehr als vier oder fünf Takes machen. Wenn es dann nicht besser wird, dann ist was falsch. Dann ist irgendwas nicht okay. Aber meine Herangehensweise ist ohnehin so, dass ich mir erstmal anschaue, wie die Schauspieler sich das denn vorgestellt haben. Ich komme zwar ans Set und habe eine grobe Idee wie ich das gern hätte, ansonsten hätte ich ja auch Schwierigkeiten vorher zu beschreiben, wie ich das Set gebaut haben will, aber dann kommt der Liefers (Anm. d. Red.: Jan-Josef Liefers, der den Professor Weissinger in Mara und der Feuerbringer spielt) mit der Lilly (Anm. d. Red.: Lilian Prent, die Mara in Mara und der Feuerbringer) rein und die spielen die Szene erstmal. Ich schau mir das dann an und überlege mit dem Kameramann, wie wir umsetzen, was die uns da geboten haben. Oder wir verbessern oder verändern an manchen Stellen nochmal etwas. Aber ich nehme das, was ich bekomme, denn deswegen habe ich diese Leute ja gecastet. Die sollen nicht verlängerte Gehirnfiguren von mir sein und alles so spielen, wie ich das spielen würde, sondern so wie sie es spielen würden. Denn dafür sind die da und dafür können sie das besser als ich. So wie andere ihren Job auch: der Kameramann kann besser drehen, der Setbauer besser Set bauen als ich. Und ich tu dann das, was ich kann, nämlich all das nochmal ein bisschen besser machen.

Ich bin zudem ein sehr großer Fan davon, pünktlich fertig zu sein. Ich finde, wenn nicht gerade technische Unzugänglichkeiten der Grund sind, dann sind Überstunden meistens ein Versagen in der Planung oder eine Überambitioniertheit des Regisseurs, die man sich nur an bestimmten Stellen leisten sollte, weil das immer zu Lasten des Teams geht. Das ist nervig. Außerdem will ich auch ins Bett.

So, dann haben wir noch ein kleines Assoziationsspielchen vorbereitet. Was verbindet ihr beide denn mit der HobbitCon?

Werner und Tommy Krappweis Buchpremiere "Sportlerkind", Foto: Tobias Schad

Werner Krappweis, Foto: Tobias Schad

Tommy: Endlich normale Menschen.

Werner: Ja, lustige Leute. Die Leute sind hier so anders. Hier lacht jeder, jeder ist zufrieden. Beim Radsport lacht nur einer. Das ist der Sieger. Hier ist jeder der Sieger.

Dann ist es doch hier viel schöner.

Tommy: Genau, nur gegen Nachmittag riechen sie alle ein bisschen streng, aber das tun sie beim Radrennen ja auch.

Werner: Ich bin so erstaunt, was sich die Leute hier für Mühe geben, wie lustig und fröhlich die sind. So ganz andere Menschen, als die, die man sonst so sieht.

Tommy: So unscheiße.

Werner: Ganz anders als die im Supermarkt.

Tommy: Das wäre aber auch sehr lustig, wenn die im Supermarkt in diesen Legokostümen rumlaufen würden. Nächstes!

Was versteht ihr unter Fandom?

Tommy: Ja, es kommt immer drauf an… Eher eine Art von Community, zumindest so wie ich das mitkriege. Das StarWars-Fandom ist ja noch mal was anderes. Aber zum Beispiel das Mara-Fandom ist ja fast schon eine eingeschworene Gemeinschaft, die es sich zum Ziel gemacht hat, das Wort Mara in der Welt zu verbreiten, was schon sehr erstaunlich ist. Das Fandom bezüglich unserer gemeinsamen Bücher ist nochmal ganz anders. Das ist ja theoretisch erstmal jeder, weil du entweder erwachsen bist und Kinder hast oder ein Kind bist oder mal ein Kind warst – die meisten Leute waren mal Kinder. Das ist dann kein Fandom in dem Sinne, dass man sich jetzt ein T-Shirt machen lassen würde. Manche tun das, aber nicht so viele. Es sind einfach Leute die daran Spaß haben. Ja, und dann kriege ich hier auf den Cons immer dieses supersuperkrasse Hardcorefandom mit von Leuten, die alles, was im weitesten Sinne mit Tolkien zutun hat, zu Hause haben müssen – original verpackt.

Hast du schonmal jemanden gesehen mit Tommi-Trikot, mit dem falsch geschriebenen „i“?

Tommy: Nee, aber ich habe eine Ouzo-Flasche mit einem Tommi-Trikot-Überzug geschenkt bekommen. Steht bei mir zu Hause. Die Geschenke… Also was man da für großartige Sachen bekommt! Einen Hasenmuff habe ich schon bekommen – zu kompliziert zu erklären. Irrsinnige Dinge! Gestern einen Bernstein-Bernd, einen in Glas geblasenen Bernd. Großartig.

Werner: Ein Bernd-Stein. (lacht)

Und, wo kam der her?

Tommy: Von der Krämerbrücke in Erfurt. Der einzigen bebauten und bewohnten Brücke in Europa.

MissGeek (Ully): Habe ich denn schon erwähnt, wo ich herkomme?

Tommy: Ich ahne es. Erfurt. Die einzige Stadt die klingt, als hätte man Husten (Anm. d. Red.: Da hat er jetzt nicht unrecht, aber schriftlich lässt sich das nur schwer umsetzen).

Was assoziierst du mit Zwergen und Elben?

Tommy: Erstmal Frauen mit Bärten und nackte Hobbitfüße.

Werner: Mit Bärten?

Tommy: Genau! Frauen mit Bärten und nackte Hobbitfüße mit Bärten!

Was verbindest du mit Sport und Fußball?

Tommy: Nichts! Null! Minus Zehn! Sport ist für mich nur dazu da nicht allzu ungesund zu leben. Wenn man viel am Computer sitzt, ist es absolut notwendig, dass man sich ab und zu mal bewegt. Ich versuche das dann so schnell und effizient hinter mich zu bringen, wie es nur geht. Und für meinen Vater ist es das Gegenteil. Ich mache EMS Sport, wo man sich eine Elektroweste anzieht und sich zwanzig Minuten lang unter Strom setzen lässt, damit man möglichst wenig Sport machen muss und so schnell wie möglich wieder aus dem Puff raus ist.

Werner: Er hat zu mir gesagt, dass ich das auch machen soll. Da hab ich ihn gefragt, wie ich mit so einem Ding und Verlängerungskabel Rad fahren soll.

Tommy:Und Fußball interessiert mich sowas von einen Scheiß, dass es fast schon aggressiv ist.Du wirst als Münchner aber auch totgenervt! Von frühester Kindheit nimmt jeder an, dass du Fußballfan bist. Und das ist mir einfach Wurst. Lasst mich in Ruhe. Ich find Bälle scheiße. Ich fand auch an Tennis immer kacke, dass es darum geht, dass es nicht funktioniert. Ich finde es ja ganz befriedigend da zuzusehen, wenn die es ein paar mal hin und her schaffen. Das hat schon so eine gewisse Grazie. Aber das ist ja gar nicht das Ziel! Das Ziel ist es ja,dass der andere es nicht schafft den Ball zu kriegen, und in dem Moment stört es irgendwie mein ästhetisches Empfinden. Nein. Hat was mit Bällen zutun, find ich scheiße.

Dann bedanken wir uns für das Interview!

Tommy: Sehr gerne. Viel Spaß beim abtippen die nächsten Jahre.

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